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Der Ton im Kino war der erste Hifi-Sound überhaupt.

2008- Ein Blick auf den Vorhang im Wiesba- dener Caligari, dem ehemaligen Ufa im Park

Darum ein paar Fragen vorab :
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  1. Was gab es um 1950 an super tollen Hifi-Anlagen ? und
  2. Wo konnte man überhaupt beeindruckende Töne und Klänge hören und geniessen ?


Die Antwort : damals eigentlich nur im Kino.
Denn wer hatte schon mal die Gelegenheit, ein Rundfunk- studio zu Gesicht zu bekommen.
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Schallwand im Kinomuseum

Das sind die damaligen Gegebenheiten gewesen, die noch bis Mitte der 60er Jahre gegolten hatten. Alles, das damals aus einem der ersten Fernseher an Ton heraus kam, war - mit Verlaub gesagt - elendes Gequäke. Und das, obwohl in den bundesdeutschen Sendern bereits edler Fernseh-Ton auf Magnetfilm und auf Telefunken M5 und M10 Maschinen aufgenommen wurde.

Sicher gab es in den Tonstudios der Platten- firmen
und in den Rundfunkstudios der wenigen "Sendeanstalten" bereits sogenannte Studio-Lautsprecher und auch der Amerikaner Jack Mullin war 1945 von der riesigen (Mono-) Box im Bad Nauheimer ausgelagerten Magnetophon-Raum des Frankfurter Reichs-Senders hellauf begeistert. Doch für den Otto-Normalbürger waren das alles Halluzinationen, denn an solche Studios kam er nie ran oder hin - geschweige denn hinein.

Zwar wurde im frühen Fernsehen auch schon versucht, die (damalige) Rundfunkqualität zu erreichen, doch anfänglich wurden sowieso fast nur 35mm Lichttonfilme gesendet.
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Etwa ab 1952 kam "Bewegung" (Innovationen) in die Kinos.

eine dieser Uralt-Gurken

In den Anfängen der 1950er Jahre entstanden in Deutschland enorm viele neue Kinos. Der Vater des Autors war einer der Kinotechniker der UFA-Handel in Frankfurt und betreute den Raum Wiesbaden - Bingen - Koblenz - Trier und ich durfte ab und zu mitfahren (jedenfalls, als ich älter war). Und an der ganzen Mosel rauf und runter war es besonders auffällig - in jedem noch so kleinen Kaff wurde ein Kino gebaut, offensichtlich verhieß "Kino" auch gleich "Reichtum". Und es gab üble oft billige ausgelutschte Technik, die mir sogar als kleiner Steppke auffiel.

Doch es gab auch die anderen edlen und großen Kinos - also die Paläste - in den Großstädten,
die sich von den Dorfkinos absetzten mussten. Und die hatten dann das Niveau, von dem ich hier schwärme. Diese Häuser hatten strahlend helles (Projektions-) Licht, eine richtige große (Cinemascope-) Bildwand und den (für die damalige Zeit) irren Sound aus riesigen Schallwänden.
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Wenn wir heute über einen 25 Watt Verstärker lächeln .....

eine Ikovox A Schallwand

Versetzen Sie sich in die Lage von damals. Da gab es die Endstufen-Röhren vom Typ EL 84 und damit konnte man paarweise maximal echte 12 bis 15 Watt Dauerleistung herausholen. Und dann gab es die dickeren Röhren für die 25 Watt Rundfunk- Studio-Verstärker und die seltenen 35 Watt Kinotonverstärker. Alles darüber hinaus war 1955 für einen Kinobesitzer, selbst für eine damalige größere Kino-Kette wie die UFA- Filmtheaterbetriebe (also die UFA-Kinos nach 1945), absolut unerschwinglich.

Darum mussten damals die Konstrukteure
besonders effiziente Lautsprecher- Chassis im Tieftonbereich sowie hocheffiziente Hörner im Hochtonbereich entwickeln. Ich vermeide den Begriff Bass-Chassis, damit gar nicht erst der Vergleich mit heutigen modernen Bass-Boliden angegangen wird. Die Röhren- Kino-Kraftverstärker waren bei 50 Hz auch so ziemlich am Ende. Darunter war ja sowieso gar kein Ton da. Und viele Verstärker und Schallwände konnten nicht mal 100 Hz wiedergeben.

Nur, der Besucher hatte damals doch überhaupt keinen Vergleichwie es hätte klingen sollen oder klingen können.
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Ikovox-CD
Ikovox-D
Ikovox-WD

Hier noch ein paar Bilder von größeren Kinolautsprechern:

Aus dem Klangfilm-Prospekt habe ich folgendes entnommen:

KLANGFILM-LAUTSPRECHER

KLANGFILM-Lautsprecher werden für Theater aller Größen gebaut und zeichnen sich durch ihre große Klangfülle und ihren natürlichen und verzerrungsfreien Klangcharakter aus. Weitere Merkmale sind die geringe Bautiefe der mit dem „KLANGFILM-Kugelwellentrichter" ausgerüsteten Lautsprecherkombinationen und der hohe Wirkungsgrad. Alle KLANG-FILM-Lautsprecher sind permanent-dynamisch; sie haben sich insbesondere auch für Stereofonieanlagen hervorragend bewährt.

Die KLANGFILM-Euronor-Junior-Lautsprecherkombination
besteht aus je zwei Hochton- und Tiefton-Lautsprechern, die über je eine elektrische Weiche zusammengeschaltet sind. Zur wirkunusvollen Abstrahlung der tiefen Frequenzen sind die Tiefton-Lautsprecher in einem großen Kugelwellentrichter aus eigenschwingungsfreiem Edelfurnierholz eingebaut. Die Hochton-Lautsprecher sind ebenfalls mit Kugelwellentrichtern versehen. Die Euronor-Junior-Kombination besitzt einen von den tiefsten bis zu den höchsten Frequenzen gleichmäßigen und hohen Wirkungsgrad. Durch die Aufteilung in zwei unabhängig versorgte Lautsprechergruppen wird ein hohes Maß an Betriebssicherheit erreicht.


Abmessungen    2,5 m hoch, 2,5 m breit, 1,25 m tief
Nettogewicht    180 kg
Frequenzbereich    40 bis 15.000 Hz
Überlappungsfrequenz    500 Hz
Anpassungsscheinwiderstand    2 X 15 Ohm
Belastbarkeit    2 X 20 W bei Zuführung natürlicher Schallereignisse


Die KLANGFILM-Bionor-Lautsprecherkombination
bietet alle Vorzüge eines Großlautsprechers in einer für mittlere bis größere Theater geeigneten Form. Sie enthält zwei Tiefton- und einen Hochton-Lautsprecher mit Kugelwellentrichter sowie eine elektrische Weiche. Die Tiefton-Lautsprecher sind in einem stabilen Edelfurnierholztrichter eingebaut.

Abmessungen 1,82 m hoch, 2,5 m breit, 1,0 m tief (zu verkürzen auf 0,8 m)
Nettogewicht    110 kg
Frequenzbereich    50 bis 15.000 Hz
Überlappungsfrequenz    500 Hz
Anpassungsscheinwiderstand    15 Ohm
Belastbarkeit 20 W bei Zuführung natürlicher Schallereignisse


 

Klangfilm Bionor Schallwand
Klangfilm Euronor Junior Schallwand
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