Der Ton im Kino war der erste Hifi-Sound überhaupt.
- Was gab es 1950 an super tollen Hifi-Anlagen ? Gar nichts.
- Und wo konnte man überhaupt beeindruckende Töne und Klänge geniessen ? Damals nur im Kino.
Das sind die damaligen Gegebenheiten gewesen, die noch bis Mitte der 60er Jahre gegolten haben. Alles, das damals aus einem Fernseher an Ton heraus kam, war (mit Verlaub gesagt) elendes Gequäke.
Sicher gab es in den Tonstudios der Plattenfirmen und in den Rundfunkstudios der wenigen "Sendeanstalten" bereits sogenannte Studio-Lautsprecher und auch der Amerikaner Jack Mullin war 1945 von der riesigen (Mono-) Box im Bad Nauheimer ausgelagerten Magnetophon-Raum des Frankfurter Senders hellauf begeistert. Doch für den Otto-Normalbürger waren das alles Halluzinationen, an solche Studios kam er nie ran oder hin geschweige denn hinein.
Zwar wurde im frühen Fernsehen auch schon versucht, die (damalige) Rundfunkqualität zu erreichen, doch anfänglich wurden sowieso fast nur 35mm Lichttonfilme gesendet.
Etwa ab 1952 kam Bewegung in die Kinos.
In den Anfängen der 50er enstanden in Deutschland enorm viele Kinos. Der Vater des Autors war einer der Kinotechniker der UFA und betreute den Raum Wiesbaden - Bingen - Koblenz - Trier und ich durfte ab und zu mitfahren (jedenfalls, als ich älter war). Und an der ganzen Mosel rauf und runter war es besonders auffällig - in jedem noch so kleinen Kaff wurde ein Kino gebaut, offensichtlich verhieß "Kino" auch gleich "Reichtum". Und es gab üble oft billige ausgelutschte Technik, die mir sogar als Steppke auffiel.
Doch es gab auch die anderen edlen Kinos in den Großstädten, die sich von den Dorfkinos absetzten mussten. Und die hatten dann das Niveau, von dem ich hier schwärme. Diese Häuser hatten strahlend helles Licht, eine richtige große Leinwand und den (für die damalige Zeit) irren Sound aus riesigen Schallwänden.
Wenn wir heute über einen 25 Watt Verstärker lächeln .....
Versetzen Sie sich in die Lage von damals. Da gab es die Endstufen-Röhren vom Typ EL 84 und damit konnte man paarweise maximal echte 12 bis 15 Watt Dauerleistung herausholen. Und dann gab es die dickeren Röhren für die 25Watt oder 35Watt Verstärker. Alles darüber hinaus war 1955 für einen Kinobesitzer, selbst für eine damalige größere Kino-Kette wie die UFA Filmtheaterbetriebe, absolut unerschwinglich.
Darum mussten damals die Konstrukteure besonders effiziente Lautsprecher-Chassis im Tieftonbereich sowie hocheffiziente Hörner im Hochtonbereich entwickeln. Ich vermeide den Begriff Bass-Chassis, damit gar nicht erst der Vergleich mit heutigen modernen Bass-Boliden angegangen wird. Die Röhren- Kino-Kraftverstärker waren bei 50 Hz auch so ziemlich am Ende. Viele konnten nicht mal 100 Hz wiedergeben.
Nur, der Besucher hatte damals doch überhaupt keinen Vergleich, wie es hätte klingen sollen oder klingen können.
Und dann kamen die Amerikaner mit dem Magnetton ...
Jetzt änderte sich die Sachlage. Der Magnetton war 1953 dem damaligen Lichtton haushoch überlegen.
Bei uns in den Wiesbadener Kinos war noch 10 Jahre später der Unterschied zwischen der ganz gewöhnlichen Pausenmusik von der (damals neuen) Langspielplatte (mit Kristall- Tonabnehmer) und dem im Anschluß folgenden normalen Lichtton-Film extem deutlich zu hören. Dann wurden im "UFA im Park" die beiden Kinomaschinen vom Typ Ernemann X (X steht für 10) mit 4 Kanal Magnetton nachgerüstet.
Daß da dann 3 Kanäle von vorne (hinter der Bildwand) tönten, war nicht entscheidend. Der Magnetton- Frequenzgang hatte erstmals echte Hifi- Qualität und jetzt mussten auch die Schallwände (es waren damals keine geschlossenen "Boxen" im heutigen Sinne) zeigen, was sie konnten.
Da wurden haushohe Türme bzw. Wände entwickelt, je nach Geldbeutel des Betreibers, ein paar solcher Bilder sehen Sie hier rechts und weiter unten.
Die ersten Vierkanal Filme waren überwältigend.
Die Magnetton-Filme kamen alle aus Amerika, die Centfox hatte Patente auf Teile der Cinemascope Technik und uns unbedarften Laien war ja gar nicht bewußt, was es für ein gnadenloses Hauen und Stechen hinter den Kulissen der Filmwirtschaft gab.
Dort ging es wirklich um Millionen und das war damals noch richtig viel Geld.
Aus patentrechtlichen Gründen und um jedes noch so gute System zu toppen, entwickelten die Amerikaner (findige Einzelkämpfer) weitere gigantische Filmtechniken wie Cinerama und ToddAO (also 3 x 35mm Film mit separatem 7Kanal Magnetfilm-Laufwerk und das 70mm hochkant Format und das nochmal bessere 65mm Querformat) mit 6-Kanal und 7-Kanal Magnetton Technik und schweren gewaltigen Verstärkerschränken (zum Beispiel 7 x 55 Watt, die mit den speziellen Projektoren von Aufführung zu Aufführung mitgenommen wurden.
Auch am Lichtton Film wurde später viel verbessert.
Die Legenden erzählen, daß relativ oft der Magnetton ganz plötzlich "verschwunden" war. Die 4 Spuren waren "ganz plötzlich" alle 4 völlig leer. Eigentlich war es ein riskantes Pokern mit dem Risiko der neuen Technik.
Die meisten der Kinomaschinen waren nachgerüstet und der Magnettonteil war sicherlich mit "nicht"- magnetischen Rollen ausgestattet. Doch die restliche (alte) Maschine wurde aus Kostengründen oft nicht ausgetauscht oder nachgerüstet bzw. ergänzt. Und die Rollen waren nun mal aus ganz normalem Stahl, auch das Malteserkreuz. Und "irgendwie" gelang es dem Stahl, sich aufzuladen und die Magnetspuren zu beinträchtigen. Der Vorführer hatte auch Entmagnetisierdrosseln, die er jeden Tag an beiden Maschinen anwenden "sollte", doch Magnetismus konnte man nicht sehen, manche angelernten Vorführer waren auch zu ...... und so wurde es schlichtweg verbummelt.
Und dann war der Ton weg, manchmal nur auf den ungraden Rollen (nämlich nur auf einer Maschine), das war dann besonders lustig.
Und so wurde durch diesen Leidensdruck die Entwicklung verbesserter Lichttonverfahren beschleunigt, es gab später auch eine Stereo- Lichttonspur.
Hier noch ein paar Bilder von größeren Kinolautsprechern:
Aus dem Klangfilm-Prospekt habe ich folgendes entnommen:
KLANGFILM-LAUTSPRECHER
KLANGFILM-Lautsprecher werden für Theater aller Größen gebaut und zeichnen sich durch ihre große Klangfülle und ihren natürlichen und verzerrungsfreien Klangcharakter aus. Weitere Merkmale sind die geringe Bautiefe der mit dem „KLANGFILM-Kugelwellentrichter" ausgerüsteten Lautsprecherkombinationen und der hohe Wirkungsgrad. Alle KLANG-FILM-Lautsprecher sind permanent-dynamisch; sie haben sich insbesondere auch für Stereofonieanlagen hervorragend bewährt.
Die KLANGFILM-Euronor-Junior-Lautsprecherkombination
besteht aus je zwei Hochton- und Tiefton-Lautsprechern, die über je eine elektrische Weiche zusammengeschaltet sind. Zur wirkunusvollen Abstrahlung der tiefen Frequenzen sind die Tiefton-Lautsprecher in einem großen Kugelwellentrichter aus eigenschwingungsfreiem Edelfurnierholz eingebaut. Die Hochton-Lautsprecher sind ebenfalls mit Kugelwellentrichtern versehen. Die Euronor-Junior-Kombination besitzt einen von den tiefsten bis zu den höchsten Frequenzen gleichmäßigen und hohen Wirkungsgrad. Durch die Aufteilung in zwei unabhängig versorgte Lautsprechergruppen wird ein hohes Maß an Betriebssicherheit erreicht.
Abmessungen 2,5 m hoch, 2,5 m breit, 1,25 m tief
Nettogewicht 180 kg
Frequenzbereich 40 bis 15.000 Hz
Überlappungsfrequenz 500 Hz
Anpassungsscheinwiderstand 2 X 15 Ohm
Belastbarkeit 2 X 20 W bei Zuführung natürlicher Schallereignisse
Die KLANGFILM-Bionor-Lautsprecherkombination
bietet alle Vorzüge eines Großlautsprechers in einer für mittlere bis größere Theater geeigneten Form. Sie enthält zwei Tiefton- und einen Hochton-Lautsprecher mit Kugelwellentrichter sowie eine elektrische Weiche. Die Tiefton-Lautsprecher sind in einem stabilen Edelfurnierholztrichter eingebaut.
Abmessungen 1,82 m hoch, 2,5 m breit, 1,0 m tief (zu verkürzen auf 0,8 m)
Nettogewicht 110 kg
Frequenzbereich 50 bis 15.000 Hz
Überlappungsfrequenz 500 Hz
Anpassungsscheinwiderstand 15 Ohm
Belastbarkeit 20 W bei Zuführung natürlicher Schallereignisse













