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Themenbereiche Fernsehmuseum
HINTER DEN KULISSEN

Der Bereich HINTER DEN KULISSEN will die wichtigsten Produktionsabläufe im Fernsehalltag erklären. Ganz bewusst stehen hier stets die Formate und Menschen und nicht die Technik oder das einzelne Programm im Vordergrund.
Exemplarisch werden die Bereiche Show (Studioproduktion in Kulisse), Fernsehfilm (Außenaufnahmen), Nachrichten (von der Meldung bis zum Teleprompter) und Werbung (Animation, Tricks und digitale Nachbearbeitung) vorgestellt. Ein wesentliches Ziel dieses Bereiches ist es, deutlich zu machen, wie viele Menschen in den unterschiedlichsten Funktionen an jeder Produktion beteiligt sind. Die „Macher" des Fernsehprogramms kommen selbst zu Wort, sie verdeutlichen, dass dort nicht die Realität selbst gezeigt wird, sondern das Gesehene gestaltet und produziert ist. Viele Menschen - vom Kabelleger bis zur Ansagerin, von der Redakteurin bis zum Gagschreiber- halten den „Programmfluss" am Laufen.
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Show
Neben Teilen von Originalkulissen und entsprechenden Kultgegenständen (Armbrust von Lou van Burg, Sparschwein von „Was bin ich?", der Stuhl von „Wer wird Millionär?" u. a.) wird eine Senderegie nachgebaut. Die Besucher können an Beispielen von Aufnahmematerial diverser Shows selbst als Regisseure agieren und Einstellungen auswählen und zusammenstellen.
Weiterhin werden alle notwendigen Informationen zum Showbereich (Formen, Beispiele, Kosten, Berufsbilder etc.) gegeben.

Fernsehspiel
Am Beispiel einer Krimiszenerie werden Informationen über die Produktion im Fernsehspiel-Bereich gegeben. Auch hier sind durch die Auswahl und Präsentation zusätzlicher Inhalte weitere Genrefragen und Beispiele anzuführen. Im Vordergrund steht das Problem der Outdoor-Dreharbeiten. Anhand ausgewählter Beispiele unterschiedlicher Serien werden die verschiedenen Aspekte des Drehs (Auswahl der Drehorte, Organisation von Stab, Material und Versorgung vor Ort, Arbeit mit den Darstellern, Maske und Requisite, bewegte Kamera mit Hilfe der Steadicam, ...) gezeigt. Eine besondere Rolle werden hier bekannte TV-Stars (wie die Tatort-Kommissare bis zu Kommissar Rex, von Manfred Krug bis zum Bullen von Tölz) und weitere Stars des deutschen Fernsehspiels einnehmen.

Nachrichten
Im Nachrichten-Bereich werden die vorgestellten Informationen vermittelt. Zusätzlich sollen auch hier die jeweiligen Porträts der verschiedenen Berufsbilder integriert werden.

Es wird ein Nachrichtenstudio eingerichtet. In diesem nachgebauten Bluescreen-Nachrichtenstudio können die Besucher als Sprecher Platz nehmen. Über Auswahlmenues entscheiden sie sich für eine bestimmte Nachricht und können dann selbst zu einem vorgegebenen Text agieren. Auf dem Bild, das die anderen Besucher sehen können, werden entsprechende Hintergrundbilder eingeblendet.

Zunächst wird die Entwicklung der Formen, Inhalte und Techniken der Nachrichtenverbreitung kurz und prägnant dargestellt. Hierzu gehören die mittelalterlichen Ausrufer auf den Marktplätzen ebenso wie die Übermittlung durch Telegraphen oder moderne Satelliten. Im folgenden Teil wird detailliert die Entwicklung der Nachrichtensendungen im Fernsehen präsentiert. Dies könnte zum Beispiel an den noch erhaltenen jeweiligen Tagesnachrichten eines Kalendertages aus den letzten 50 Jahren geschehen, so dass der Betrachter die Nachrichten des z.B. 20. Januars sehen kann. An anderer Stelle werden die wichtigsten, berührendsten, kuriosesten Nachrichten der letzten 50 Jahre gezeigt.

Wie unterschiedlich Nachrichten dem Zuschauer angeboten werden,
wird besonders im Hinblick auf den „Wahrheitsgehalt" von Nachrichten untersucht.

Fragen nach dem Nutzerverhalten werden ebenso behandelt wie die Probleme,
die sich durch die Selektion des Ausgangsmaterials, der politisch-ideologischen Darstellung und dem „Nachrichtenwert" (was ist wichtig?, seriöse Darstellung vs. Sensationsmache, ...) ergeben. Hierzu dienen u. a. unterschiedliche Darstellungen einer Nachricht (BRD vs. DDR, BRD vs. Frankreich, BRD vs. USA etc.).

Auch ein interpretierender Vergleich aller Tagesnachrichten eines Tages auf den unterschiedlichen deutschen Sendern wird in die Ausstellung integriert.

Im Laufe der Zeit hat sich auch die formale Darstellung der Nachrichten ganz wesentlich verändert. Besonders in den letzten Jahren hat es eine ganze Flut von Neuerungen - z. B. durch die Einführung eigener Nachrichtenkanäle wie n-tv -auch in der Verwendung von Newstickern, Kurznachrichten, Sensationsmeldungen, Sonderberichterstattungen etc. gegeben.

An einem berühmten (und durch die Materiallage dokumentierbaren) Nachrichtenfall werden die einzelnen Schritte vom Ereignis bis zur unterschiedlichen Darstellung in verschiedenen Sendungen vorgestellt. Die Arbeit des Kamerateams vor Ort, die Entwicklung des dafür verwendeten Equipments, die Nachrichtenübermittlung durch sendereigene Teams oder Nachrichtenagenturen, die Verarbeitung und Auswahl des Materials, die redaktionelle Bearbeitung und am Ende schließlich die Sendung werden dokumentiert.

Im Vertiefungsbereich können die Besucher tagesaktuelle Nachrichten und Informationen einsehen (z. B. über Internet-Angebote, per Newsticker von dpa, Reuter etc.).

Werbung
Im Bereich der Werbung wird über die wirtschaftliche Bedeutung des Werbefernsehens berichtet. Die privaten Sender sind für ihre Einnahmen vollständig auf die Werbeeinnahmen angewiesen, doch können mittlerweile auch die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm nicht mehr ohne Werbegelder finanzieren.

Die Vielfalt der Werbefilme wird an verschiedenen Terminals präsentiert: Die Besucher können witzige, künstlerische, preisgekrönte und thematisch sortierte Clips individuell abgerufen und anschauen. Daneben sind auch Darstellungen einzelner Themen aufbereitet (z. B. die Rolle der Frau in der Werbung, Entwicklung von Markenidentitäten etc.). Ein besonderer Aspekt ist die Präsentation historischer Werbespots, die aus ihrer Zeit heraus erklärt werden.

In diesem Abschnitt wird auch die Wirkung von Fernsehwerbung hinterfragt. Es kann hier die Rolle der Werbung bei der Finanzierung der Privatsender ebenso aufgegriffen werden wie die Mechanismen, mit der die Werber versuchen den Zuschauer für ihr Produkt zu gewinnen. Der Besucher erhält einen tieferen Einblick in die Trickkiste der Werbung.
Da die Werbung immer sehr früh technische Innovationen einsetzt, werden auch Trick- und Effektmöglichkeiten exemplarisch am Einsatz in einzelnen Clips verdeutlicht. Auch hier werden die unterschiedlichen Berufsbilder (Medien-Designer, Operator, 3D-Animator, ...) präsentiert.
Als Mitmach-Aktion kann der Besucher unterschiedliche Trickmöglichkeiten mit Hilfe von Computersimulationen an ausgewählten Beispielen und Vorgaben selbständig ausprobieren. Aus der jeweiligen Cannes-Rolle können Favoriten ausgewählt und dann angeschaut werden.

Galerie
Da es beim Fernsehen eine größere Vielzahl von Berufsbildern und Tätigkeiten gibt, als in den Themenbereichen abgehandelt werden könnte, sollen alle TV-relevanten Berufsbilder hier präsentiert werden. Dies könnte als Überblick über einen eigens produzierten Abspann geschehen, der dann alle an dieser Produktion Beteiligten, also z. B. auch die Verwaltungsangestellten und Techniker, mit einbezieht.

Weiterhin sollen die einzelnen Profis ihren Beruf und ihre Arbeitssituation präsentieren. Dies kann in Form von Monitoren geschehen, die im Saal verteilt sind und jeweils einen Beruf oder eine Berufsgruppe repräsentieren. Kurze Filme zeigen die jeweiligen Personen in ihrer beruflichen Situation. Tritt ein Besucher näher und aktiviert den Bildschirm über einen Touchscreen, so wird der laufende Filmloop unterbrochen und die Personen erscheinen und erklären kurz ihre berufliche Tätigkeit. In diesem Raum werden auch tiefergehende Informationen angeboten. So können beispielsweise Adressen von Ausbildungsstätten abgerufen werden.

„Hall of Fame"
Wichtiger Bestandteil der Fernsehgeschichte sind natürlich auch die „Stars" und „Prominenten", die Fernsehfilme, Serien und Sendungen durch ihre Präsenz unverwechselbar machen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Bereichen „fact", „fiction" und „Show/Unterhaltung". Langjährige Moderatoren und Journalisten von Nachrichtensendungen, thematischen Magazin- oder Reportageserien (beispielsweise Bernhard Grzimek, Eduard Zimmermann, Sabine Christiansen u.a.) gehören zur Fernsehprominenz. Gerade Nachrichtensprecher, beispielsweise „Mr. Tagesschau" Ulrich Wickert oder „Mr. heute-journal" Wolf von Lojewski, übernehmen die wichtige Funktion der „anchormen" für einen Sender. Indem sie den Nachrichten ein „Gesicht" geben und möglichst Seriosität ausstrahlen, erreichen sie eine erhöhte Zuschauerbindung. Schauspielerinnen und Schauspieler mit häufiger Präsenz in unterschiedlichen Fernsehfilmen sowie vor allem aus langlaufenden Serien des Haupt- und Vorabendprogramms können ebenfalls zu der Gruppe der Bildschirm-Prominenten gerechnet werden.

Der eigentliche Fernsehstar aber stammt aus dem Bereich „Show und Unterhaltung". Im Vergleich zu den Journalisten/Moderatoren erreicht er einen wesentlich höheren Grad an Inszenierung seiner Person, ohne aber- wie die Schauspieler-einen Part in einer fiktiven Geschichte zu übernehmen: Er spielt im Fernsehen eine Rollein der „Realität".

In der „Hall of Fame" werden den Besucherinnen und Besuchern auf unterhaltsame Weise die „berühmten Köpfe" aus den verschiedenen Jahrzehnten der Fernsehunterhaltung näher- oder wieder in Erinnerung gebracht. Bei diesem Thema bieten sich „Ratespiele" mit Fotos und Namen an (wie etwa nach dem Vorbild von „Dalli-Klick": einzelne Fotoschnipsel werden nacheinander zusammengesetzt). Am Beispiel von Hans Joachim Kulenkampff kann außerdem exemplarisch die klassische Laufbahn eines frühen Fernsehstars verfolgt werden: angefangen bei seiner Ausbildung als Theaterschauspieler über die Karriere als Radiomoderator bis hin zu Rollen als Filmschauspieler, vor allem aber als überaus erfolgreicher Moderator von Quiz-Sendungen (ab 1953: „Wer gegen wen? - ferngesehen", ab 1964: „Einer wird gewinnen" u.a.).

Exponate in diesem Bereich sind: Fotos, Starschnitte und Autogramm karten, Fernsehpreise (Grimme-Preis, Goldene Kamera, Goldener Gong, TeleStar u.a.). Außerdem geben Porträts und Hitlisten in Programmzeitschriften Auskünfte über die Bildschirm-Lieblinge der verschiedenen Epochen. Anhand von Werbe-Spots wird außerdem verdeutlicht, wie mit dem Star-Image Geld verdient wird: z. B. Thomas Gottschalk wirbt für Burger, Post und Gummibärchen.

Rezeption
In diesen Abteilungen stehen die Zuschauer und ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Fernseher im Mittelpunkt. Dabei sollen Anregungen gegeben werden, das persönliche Nutzungsverhalten zu reflektieren und über den Stellenwert des Fernsehens in der eigenen Biografie nachzudenken.

Geschichte des Zuschauens
Die „Geschichte des Zuschauens" behandelt die Veränderungen im Freizeitverhalten und macht „deutsche Familie" sowohl auf dem Sofa als auch auf dem Bildschirm zum Thema. Die besondere Qualität von „fern-sehen" im Unterschied zu anderen Formen des „Zuschauens" entwickelte sich erst langsam. In der TV-Frühgeschichte handelte es sich noch um kollektives Sehen in den sogenannten Fernsehstuben. Die Rezeptionssituation glich dem Kino oder dem Theater. Allerdings zeigte sich bereits eine andere Besonderheit des neuen Mediums, beispielsweise bei der Olympiade 1936: die Faszination der Live-Übertragung, die eine Teilnahme am Ereignis suggeriert.

Der Empfang zu Hause, wie er sich in den Nachkriegsjahren etablierte, führte zu einer neuen Form der Verschränkung von Privatem und Öffentlichkeit. Das Medium begann, sich in die Struktur des Alltags einzuschreiben und ihn zwangsläufig zu verändern. Fernsehen und Zuschauer passten sich einander an: Die Zeitschiene des Programms orientierte sich an Arbeitszeiten, die Zuschauer integrierten bestimmte Sendungen in ihren Tagesablauf. Es entstanden Fernseh-Rituale, wie es sie auch heute noch gibt: das Abendessen während der Tagesschau, das Fußballspiel in der Kneipe mit den Kumpeln, nach dem Sonntagsfrühstück die „Sendung mit der Maus", und während ein Krimi oder die Lieblingsserie läuft, wird man nur ungern angerufen. In den fünfziger Jahren, bedingt durch hohe Gerätepreise einerseits und verstärkte Neugier auf das neue Medium andererseits, kennt man den „Fernsehgast". Vor den Schaufenstern von Rundfunkgeschäften drückten sich die Mengen anlässlich großer Fernsehereignisse ebenfalls die Nasen platt.

Der Erwerb eines Fernsehapparats zog Veränderungen in der Nutzung und Gestaltung des Raumes, in dem dieser aufgestellt wurde, nach sich. Fernsehkonsum wurde zu einer neuen zentralen Funktion des Wohnzimmers. Aber auch die Fernsehgeräte selbst veränderten sich, unterlagen Designströmungen und Technikentwicklungen. In den 60ern stieg Fernsehen klar zum gesellschaftlichen Leitmedium auf, Anfang der 70er hatten 95% der Haushalte mindestens ein Fernsehgerät. Der sich zuspitzende Kampf um die Gunst der Zuschauer ging einher mit der intensiven Erforschung des Zuschauens, die Ergebnisse beeinflussten das Programm. Die 80er Jahre brachten den Videorecorder und mit ihm das „zeitversetzte Fernsehen". Das duale System vervielfachte die Programme. Die Einschaltquote übernahm die Regie, und die Fernsehmüdigkeit beim Publikum wuchs. „Fernsehen" bedeutete nun immer öfter, mit dem Daumen auf der Fernbedienung durch die Programme zu flanieren.

Das Themenfeld „Rezeption" wirft Fragen auf, wie: Welche sozialen Funktionen übernimmt der Fernseher? Welche Formen des Gebrauchs bilden sich heraus (Regeln, Umschalten, Switchen & Zappen, Aufnehmen)?

Wie strukturiert das Fernsehprogramm den Tagesablauf? Welche Rituale, welche Routinen entstehen? Aber auch: Woran erinnern sich die Museumsbesucher? Die eigene Fernsehbiografie, die ganz persönliche Rezeption soll mit berücksichtigt werden: In einer „Fernsehkabine" können die Besucher vor laufender Kamera davon berichten. So entsteht ein Archiv der Erinnerungen, das wiederum befragt werden kann: Welche Spuren hinterlassen Medieninhalte und Medienereignisse in Lebensgeschichten?

Exponate in diesem Bereich sind: Empfangsgeräte der verschiedenen Epochen, Fotos, Möbel, Fernsehzeitschriften, Karikaturen („Fernsehgast", „Couch potatoe"). An Hörstationen werden Interviewausschnitte von „Medienlebensläufen" präsentiert. Eine Installation verdeutlicht die Entwicklung der Fernsehnutzung. Auf einem Monitor läuft die Tagesschau von 1957, in der der 1.000.000. Zuschauer präsentiert wurde, auf einem anderen „Betrifft: Fernsehen" von Helmut Greulich (Arbeiterfamilie für vier Wochen ohne Fernseher) von 1973 u. a. Beiträge zum Thema.

Fernseh(en) - Wirklichkeit
„Als Bestandteil der Kultur ist das Fernsehen Teil der Realität, so wie es Bilder, Konstruktionen, Darstellungen von dieser vermittelt." (Knut Hickethier)

Dieser Bereich gibt Denkanstöße zum Verhältnis von Medium und Wirklichkeit. In der heutigen medial ge- und verformten Gesellschaft beruht nur ein kleiner Teil dessen, was der Einzelne unter „Wirklichkeit" oder „Realität" versteht, auf persönlicher Erfahrung. Ein großer Teil unseres Wissens von der Welt basiert auf Informationen, die durch die Medien - in erster Linie durch das Fernsehen -vermittelt werden. Eine Haltung zu diesen Informationen entwickeln zu können, Bilder in Frage zu stellen, ist wichtiger Bestandteil der „Medienkompetenz". Bilder können lügen, manipuliert sein, zu Propagandazwecken eingesetzt werden.

Aber ist nicht das Verhältnis zwischen Fernsehen und Wirklichkeit subtiler, lohnt nicht schon ein Fragen, das weit vorher ansetzt? Inwiefern verleihen Fernsehkameras Ereignissen erst ihre Bedeutung? Bis dahin, dass, was nicht gefilmt und gesendet wird, auch nicht stattgefunden hat? Die Verwandlung von Ereignissen in „Medienereignisse" kennt die Fernsehgeschichte schon früh. Beispielsweise beim Sport führte die Erkenntnis, dass die Zuschauer ermüden, wenn ein Wettkampf in ganzer Breite gezeigt wird, dazu, Aufnahmen zu machen, statt eine Live-Übertragung zu senden, um sie dann später in geraffter Form zu zeigen. Trotzdem sollte der Eindruck des Live-Dabeiseins aufrechterhalten werden.

Neben das Basiswissen über Ausschnitt, Einstellung und Montage treten Themen wie Inszenierung - inwiefern greift das Fernsehen in die Realität ein, die es vorgibt abzubilden? In welchen Fällen schafft es seine eigene Realität? Welche Vorstellungen von Wirklichkeit legen Formate wie „Reality-TV" oder „Doku-Soap" zugrunde? Die dem Format „Nachrichten" unterlegte Glaubwürdigkeit und Objektivität wird in diesem Bereich ebenso thematisiert wie das Gerücht, die Mondlandung hätte im Studio stattgefunden.

Ein wichtiges Ereignis deutsch-deutscher Fernsehgeschichte hat ebenfalls hier seinen Platz: Welche Rolle spielte die Fernsehberichterstattung beim Fall der Mauer? Kann man wirklich von einer „Fernsehrevolution" sprechen, oder handelt es sich dabei um die Verklärung eines Medienspektakels? Die aufgeworfenen Fragen sollen jeweils exemplarisch an prägnanten Beispielen aus der Programmgeschichte erörtert werden.

Themenbereiche Fernsehmuseum
FERNSEHWELT

In einem dunklen Raum befinden sich viele verschiedene Bereiche mit jeweils fünf Sichtungseinheiten. Auf Monitoren werden genrespezifische Sendungen im historischen Kontext angeboten, die die Betrachter selbst auswählen können. So gibt es beispielsweise einen Bereich Shows, wo Talkshows, große Samstagabend-Events, Quizshows etc. in ihrer jeweiligen zeitlichen Entwicklung (z. B. von „Was bin ich?" bis „Millionenquiz") betrachtet werden können.

Der Besucher betritt die Fernsehwelt durch den „Emotionstunnel" und kommt in einen großen, abgedunkelten Raum, in dem unzählige Monitore unterschiedlichste Bilder zeigen. Er kann zwischen den einzelnen Sichtungseinheiten flanieren und ganz seinem Interesse folgen. Die Einheiten sind immer einem Genre gewidmet. Auf den die Plasmabildschirme umgebenden Wänden sind Bildcollagen aus dem jeweiligen Themenbereich angebracht. Auf den Monitoren läuft ein schneller Zusammenschnitt aus Material der abzurufenden Sendungen, der die Inhalte prägnant und eindeutig anzeigt.

Betritt ein Besucher die Sichtungseinheit, folgt auf dem Schirm eine Aufforderung, aus dem vorhandenen Material auszuwählen. Der Besucher kann jetzt über ein kleines Touchscreen-Display im Angebot navigieren und die jeweilige Sendung aktivieren. Dabei sind auch Funktionen wie schneller Suchlauf, Zeitlupe und Standbild vorgesehen.

Mögliche Themenbereiche

  • Show
    (EWG, Der goldene Schuss, Peter Frankenfeld, Dalli, Dalli, Wetten das...?, Ein Kessel Buntes)
  • Fernsehspiel
    (So weit die Füße tragen, Brecht-Inszenierungen, ...)
  • Serien
    (Traumschiff, Lindenstraße, GZSZ, Marienhof, ...)
  • Krimi
    (Stahlnetz, Derrick, Kommissar, Tatort, Ein Fall für Zwei, Polizeiruf 110, Kommissar Rex, Cobra, ...)
  • Sport
    (Sportschau, Das aktuelle Sportstudio, ran, ... )
  • Kinderfernsehen
    Augsburger Puppenkiste, Sesam Straße, Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn, Pan Tau, Tabaluga, Zeichentrickserien, Das Sandmännchen, ...
  • Politische Magazine
    (Der Augenzeuge, Deutschlandmagazin, Panorama, Kennzeichen D, Auslandsjournal, zdf.reporter, 24 Stunden, Der schwarze Kanal, ...)
  • Kulturmagazine
    (Aspekte, TTT, Kulturzeit, Cinemaxx, ...)
  • Boulevard Magazine
    (VIP-Schaukel, Drehscheibe, Blitz, Expreß, Brisant, ...)
  • Tierfilme
    Grzimek, Sielmann, Cousteau und neue Formate)
  • Reiseberichte
    (DSF- Abenteuer und Reisen, VOX- Wolkenlos, VOX-Tours, ZDF-Reiselust, ...)
  • Techniksendungen
    Wissenschaft: (Knoff-Hoff-Show, Die Welt der Wunder, Discovery Hightec, Globus, Galileo, ...) Auto: (Der siebte Sinn, Fahrberichte, ...)
  • Nachrichten
    (Tagesschau, heute, heute Journal, CNN, N24, Die aktuelle Kamera, ...)
  • Dokumentationen
    (Zeichen der Zeit, Wildenhahn-Dokus, Fechner-Dokus, Meilensteine, ...)
  • Musiksendungen
    (Beat Club, Hitparade, ... bis Bravo und VIVA, MTV, ...)

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Die Raumwände werden als „lebendige Wand" ausgeführt. Displays wechseln ab mit 2 D- und 3 D-Exponaten. Die Inszenierung erfolgt programmgesteuert und wird durch entsprechende Lichtführung unterstützt. Die Monitore sind zentral bespielbar und zeigen (stumm) Bildcollagen und grafische Elemente. Sie können synchronisiert werden. So könnte beispielsweise ein Filmausschnitt reihum nacheinander auf jedem Monitor gezeigt werden. Die Raumcollage wird Artefakte und Gegenstände aus bekannten Sendungen einbeziehen. So werden einzelne abwechselnde und ergänzende Stimmungen erzeugt.
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Themenbereiche Fernsehmuseum
Kunstgalerie

Künstlerinnen und Künstler verhalten sich seismografisch zur gesellschaftlichen Entwicklung. Ein Museum, das es sich zur Aufgabe macht, zu zeigen, welchen Einfluss das Medium Fernsehen hatte und hat, welchen Veränderungen unser Alltag, unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere Vorstellung von Welt durch den Einzug der Fernseher in die Wohnzimmer unterliegen, muss daher die künstlerischen Werke, die in Auseinandersetzung mit diesem Thema entstanden sind, Themenbereiche Fernsehmuseum einbeziehen.

Die Kunst-Galerie ist ein eigenständiger Teil des Museums. Sie zeigt einzelne, ausgewählte Arbeiten. Sie versucht nicht, als Ort der möglichst umfassenden oder repräsentativen Präsentation von „Video-/Medienkunst" zu erscheinen. Die Auswahl ist selektiv, exemplarisch und sachbezogen und berücksichtigt die Funktion des oben beschriebenen erweiterten Zugangs zum Medium Fernsehen.

Diese Galerie, die im Treppenbereich oder dem zentralen Verteilerraum, von dem die einzelnen Themenbereiche erschlossen werden, angesiedelt ist, bietet Raum für künstlerische Interpretationen, die die inhaltliche Orientierung brechen und assoziative Bezüge öffnen. In allen Bereichen der Bildenden Kunst (Skulptur, Raum-A/ideo-lnstallation, Malerei, Grafik, Photographie) entstanden und entstehen Werke, die das Fernsehen - in seiner Technik oder mit seinem Ergebnis - als Gegenstand der Auseinandersetzung haben.

Es sind abstrahierte, überhöhte, reduzierte, kritische, ironische, ... Auseinandersetzungen mit dem Phänomen Fernsehen. Im Kontrast zur Funktion des Fernsehens als Technik und als Mittel zur Informationsvermittlung und Unterhaltung - als allgegenwärtiges Medium - stellen diese Arbeiten eine weitere Ebene der Konfrontation und des Zugangs dar.

In dieser Galerie können sowohl Installationen von Nam June Paik, Brian Eno, Laurie Anderson, Peter Vogel, Bettina Gruber, Kienholz, Christi, Uecker, Viola, Plessi etc. als auch herkömmliche Bilder von Andy Warhol, Keith Haring etc. und einschlägige Fotografien, wie z. B. die Serie „Das deutsche Wohnzimmer" von Herlinde Koelbl, ihren Platz finden.

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