Aus 1931 haben wir nur 1 Film-Magazin - es sind 8 verschlissene Seiten DIN A4
Sept. 2026 von Gert Redlich - Der Spielfilm "Emil und die Detektive" war eigentlich ein Kinderfilm, doch er hatte auch einen unterschwelligen Unterton in der Story.
Im Rückblick hatten wir in der Literatur nachgelesen, daß so ab 1931 die wirtschaftliche Lage eines Großteils der Bevölkerung im Deutschen Reich immer prekärer, ja katastrophaler wurde. Unsere beiden Elternteile sind 1919 geboren und waren zwischen 10 und 12 Jahren alt, als der Amerikaner H. R. Knickebocker die Reichshauptstadt Berlin besuchte und in seinem 1932er Buch (im amerikanischen original "German crisis") die Lage drastisch formuliert hatte. Unser Vater konnte sich nur noch schwach an diese Kinder-Zeit erinnern, dort in Hamburg gab es zumindest keinen Hunger. In der Hauptstadt Berlin bei unserer Mutter gab es monatelang Kohlrüben in allen Variationen.
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Das Heftchen ist jetzt 95 Jahre alt und ziemlich zerfleddert
Wir mußten Seite für Seite von dem zerbröselnden Papier ganz langsam auf die Scheibe des Flachbett-Scanners legen, um zu retten, was zu retten ist. Also schaun wir da mal rein in das Jahr 1931 ......
"Emil und die Detektive"
Produktion: Günther Stapenhorst - Manuskript: Billie Wilder, nach einem Roman von Erich - Kästner - Bild: Werner Brandes - Bau: Werner Schlichtung - Ton: Hermann Fritzsching - Musik: Allan Grey - Regie: Gerhard Lamprecht
Schauspieler-Verzeichnis:
- Grundeis ..............................Fritz Rasp
- Frau Tischbein.................... Käthe Haack
- Emif Tischbein, ihr Sohn......Rolf Wenkhaus
- Wachtmeister Jeschke: ........Rudolf Biebrach
- Die Großmutter .................... Olga Eng!
- Pony Hütchen ...................... Inge Landgut
- Gustav mit der Hupe.............Hans Schaufuß
- Professor..............................Hubert Schmitz
- Fliegender Hirsch................Hans Richter
- Dienstag..............................Hans Löhr
- Gerold .................................Ernst-Eberhard Reling
- Mittenzwei.......................... Waldemar Kupczyk
Ferner wirken mit: Martin Baumann, Gerhard Damann, Rudolf Lettinge, Margarete Sachse, Georg Schnell
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Aufgenommen auf Klangfilm - Tonfifmkopie: Afifa
Ein Ufaton-Film im Ufaleih
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Eine "heile Welt-Story" aus 1931
Was kraucht dort in dem Busch herum? Indianer auf dem Kriegspfade - das schönste Spiel aller Jungens! Wie die Schlangen gleiten sie durch Strauch und Schilf. Es gilt einen entscheidenden Schlag zu führen gegen den mächtigen Feind, Wachtmeister Jeschke, den Polizeigewaltigen der kleinen Stadt.
- Anmerkung : Ein kleiner Seitenhieb auf die immer noch Obrichkeits-Hörigkeit der deutschen Bevölkerung
Nichtsahnend steht das Denkmal eines verdienten Mitbürgers auf seinem einsamen Platz im Stadtwäldchen. Ein Junge schleicht sich heran, erklettert das Postament. Schon hat der steinerne Mann auf dem Sockel eine Polizeimütze auf, und Jeschkes stadtbekannter Schnurrbart baumelt ihm unter der Nase.
Da - ein kurzer Pfiff der ausgestellten Horchposten. Emil Tischbein, der Attentäter, springt vom Denkmal herunter, und alle laufen, was sie können, denn - Jeschke naht in höchsteigener Person. Na wartet, ihr Lümmels!
Mutter Tischbein ist inzwischen schlecht und recht ihrem Gewerbe als Friseuse (heute Friseurin) nachgegangen, und Emil kommt gerade zu Hause an, als der Kopf der letzten Kundin trocknet - so langsam das eben geht, wenn man kein Geld hat, um einen Fön zu kaufen.
Und dann hat die fleißige, gute Frau Tischbein wieder alle Hände voll zu tun mit Packen, denn ihr Emil soll ja heute noch nach Berlin fahren, um die Großmutter zu besuchen und ihr bei der Gelegenheit das Geld zu bringen, das Mutter Tischbein sich als Zuschuß für die alte Frau abgespart hat.
Die Bahnfahrt
Pünktlich liefert die gute Mutter ihren Jungen am Bahnhof an, sieht ihn in den Zug klettern, ermahnt ihn zum letzten Male, auf sein Gepäck und das Geld zu achten und Pony Hütchen, die bei der Großmutter wohnt, Grüße zu bestellen.
Dann geht die Fahrt los. Emil sitzt vor Aufregung ganz artig auf seinem Platz. Ein Gespräch kommt auf, freundliches Geschwätz, in das der eklige Herr in der Ecke auch eingreift. Emil weiß nicht, soll er die albernen Scherze des Herrn ernst nehmen oder nicht, jedenfalls ist ihm der Kerl unheimlich. Noch unheimlicher wird es, als alle Mitreisenden bis auf den Ekligen aussteigen.
Mit schleimiger Freundlichkeit bietet er Emil Zigaretten an,
dann, als der Junge dankt, einen Bonbon. Emil steckt ihn in den Mund, wenn auch nicht lange, denn er schmeckt so sonderbar - aber es ist schon zu spät.
Vergeblich kämpft der Junge gegen den Schlaf, fürchterliche Träume plagen ihn, er stöhnt, und wälzt sich auf der Holzbank. Plötzlich gibt es einen Krach - Emil ist rvon der Bank gefallen und aufgewacht.
Der eklige Herr ist schon ausgestiegen. Ein Griff in die Tasche zeigt dem Jungen, daß sein Geld fort ist. Mit aller Kraft schüttelt er den Schlaf ab, stürzt aus dem Abteil, immer hinter dem Dieb her. Der Dieb besteigt die Elektrische, Emil auch - der Dieb steigt aus und betritt ein Cafe! Emil von der Straße aus läßt ihn nicht aus den Augen. Mit verzweifelter Wut starrt er auf den Verbrecher, der in aller Ruhe frühstückt.
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Die Detektive gehen los
Was soll er machen? Allein in der großen Stadt, ohne Geld, ohne Großmutter.
Aber schon naht die Hilfe! Gustav mit der Hupe, der Anführer der Jungens aus den Nachbar-Straßen, sieht den Fremdling. Man kommt ins Gespräch. Emil aus Neustadt und Gustav mit der Hupe freunden sich an.
Gustav läßt sich den Dieb zeigen und - sein Plan ist fertig. Die Hupe tönt. Von allen Seiten tauchen die Jungens auf, der „Professor" mit der Brille, der „Fliegende Hirsch" mit seinem Mustang (sprich Roller), und der kleine Dienstag. Rasch verteilt Gustav die Rollen.
Parole ist, daß Emil sein Geld wiederbekommt. Die kleinen Detektive heften sich ihrem Opfer an die Fersen. Sie verfolgen ihn heimlich bis zu seinem Hotel und halten in der Nähe auf einem Bauplatz Kriegsrat ab.
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Die Liebe ist natürlich auch dabei
Der „Fliegende Hirsch" beruhigt Emils Großmama und gewinnt dabei Pony Hütchen, die kesse Jöhre, als Helferin. Am Lagerfeuer wird beraten. Das Kriegsbeil ist ausgegraben. Emil gelangt durch Kriegslist ins Hotel, ja sogar ins Zimmer des Feindes, aber dessen Brieftasche ist leer.
Also weiter beobachten! Am nächsten Morgen sind Gustavs Mannen vollzählig versammelt, an der Spitze der „Fliegende Hirsch" und Pony Hütchen auf ihrem Rade. Gespannt hängen aller Augen am Hoteleingang. Endlich erscheint der Schurke! Mehr als 100 Kinderaugen durchbohren ihn. Er versucht zu fliehen, erst langsam, dann schneller.
Vergebens! Die Kinder stellen ihn unter fürchterlichem Geschrei, und Emil sagt ihm den Diebstahl auf den Kopf zu. Ein Schutzmann kommt. Untersuchung, Der Dieb wird entlarvt. Und siehe da: Es ist ein lange gesuchter Bankdieb, auf dessen Ergreifung eine Belohnung stand.
Nun ist alles in Butter, Großmama hat ihr Geld, Emil seine Belohnung, die Mama ihren Fön, Pony Hütchen zwei Bräutigams, und der grimmige Polizeiwachtmeister Jeschke ist auch wieder versöhnt, denn Emil ist ja nun der Löwe des Tages, und ganz Neustadt ist stolz auf seinen Emil und die Detektive.
Eine Filmstory - der Originaltext aus 1931
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