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Diese Informationen muß ich hier nochmal einbauen .....

..... damit der junge Leser ein Gefühl bekommt, wie klein die Welt ist und wie schnell die sich dreht.

Auf der Seite über meinen Vater hatte ich viel geschrieben, wie der Kino-Boom nach 1946 "wieder" los ging. Auf der Seite über meine Mutter, die ja bis 1944 bei der UFA in Berlin die Kino-Techniker betreut hatte, hatte ich deren Schilderungen beschrieben, nämlich daß selbst in den fast 12 Jahren Hitlerzeit ein Kino fast immer eine Goldgrube war (so lange man linientreu war und in der Partei natürlich).

Unsere Eltern hatten sich in der kurzen Zeit, in der unser Vater bei der UFA war, kennengelernt. Dann wurde er nach nur 3 Monaten eingezogen und durfte nach Finnland. 1943 hatten beide geheiratet, das war damals für die jungen Frauen "opportun", wegen der Versorgung als Witwe. Irgendwie müssen die "Oberen" Chargen der Reichsregierung das alles geahnt haben.
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Als mein Vater 1949 wieder bei der UFA anfing, ...

kam ich gerade zur Welt und erst so im Alter von 6 oder 7 Jahren habe ich wirklich kapiert, was Vater so macht, wenn er wieder mal 2 Wochen nicht zuhause war. Also unser Vater baute Kinos, eines nach dem anderen, aber nicht etwa in Wiesbaden oder Frankfurt, obwohl wir hier wohnten, nein, an der Nahe und an der Mosel und in Heidelberg und in Mannheim.
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Und in den Telefonaten, wir hatten ab 1956 bereits ein Telefon, wir waren die Auserwählten in der ganzen Siedlung, natürlich mit Hilfe der UFA, wurde er an Wochenenden oft zu Notfalleinsätzen angerufen. Später durfte ich sogar mitfahren. Meinen älteren Bruder interessierte das alles nicht im Geringsten
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Kurios war, er hätte es gar nicht gedurft.

Das Bild von 1955 - G.Redlich (ganz links) - Loos (Mitte) - Ruhe (ganz rechts) - mit-Chef-2.von links

Sein Kollege - ebenfalls von der UFA Handel in Frankfurt - war ein Herr Loos und die beiden konnten gut miteinander.

Der Kreis schließt sich, als der Herr Czech bei unserem Zeitzeugengespräch im März 2021 doch mehr als einmal den Namen des Kinotechnikers Loos erwähnte, der manchmal sogar 2 mal in der Woche kommen mußte, weil irgend etwas nicht funktionierte.

Unser Vater durfte das also offiziell nicht machen und ich erinnere mich, daß er dem Herrn Loos öfter die entscheidenden Tips gab, wie er den oder die Fehler dauerhaft reparieren sollte. Der Name Loos ist mit heute noch im Ohr.

Wenn das aber partout nicht klappte, dann fuhr Vater mit unserem (also mit seinem) alten klapprigen VW-Käfer auch zu diesen Kinos in Rhein Main und im Rheingau und im Taunus, privat natürlich. Später bekam ich mit, "man" (der Kinobesitzer) wolle bei der UFA in Franfurt nicht mehr anrufen, der zuständige Herr Loos würde sich ja immer sehr bemühen. aber .......
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Stellen Sie sich vor, endlich sind mal über 200 Besucher im Saal oder sogar ausverkauft und dann ...

Die Ernemann 7B Kinomaschine von 1938 bis etwa 1954

Die Kinos waren in der Woche doch nicht immer voll, wie es behauptet wurde. Aber am Wochenende war es in den etwa 300 Personen fassenden Sälen wirklich gerammelt voll. Und die Kinobesitzer kauften lieber einen neuen schneeweißen Mercedes als neue Kinomaschinen. So rappelten und klapperten - vor allem in den Dorfkinos, sicher auch im Saalbau in Weilmünster, die Vorkriegsmaschinen von BAUER (das Modell B6) oder von ZEISS IKON (die Ernemann 7B), bis sie auseinanderfielen.

Dann war aber "Not am Mann" und zwar sofort. Der Laden war gerammelt voll und eine Maschine lief einfach nicht an. Die Kontakte der Stern-Dreickschaltung zum Anlassen der Projektormotoren waren seit langem verbrotzelt oder die dicken Stromkabel der 80 Ampere Gleichrichter der Kohlebogenlampen hatten geschmokelt oder waren ganz abgebrannt.

Unser Vater wurde damals mit einem "Lappen" (das war ein 50 DM (West) Schein und das war damals viel Geld) gelockt plus Auslagen natürlich, wenn er nur ja ganz schnell käme. Und unser Vater hatte, im Gegensatz zu dem Kollegen Herrn Loos, das ganze Auto voll mit großen Drehstromschaltern, mit 10 Quadrat Litze und mit Lichttonlampen und Fotozellen und was noch alles und natürlich das entsprechende Werkzeug (das ich heute noch habe). Sogar die dicken 3 x 80 Ampere Schaltschütze fuhr er mit spazieren.

Herr Loos hatte das alles im Lager in Frankfurt in der Taunusstraße 52 (das war das Bürohaus mit dem tollen Paternoster), aber das war am Wochenende eben zu.
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Dennoch waren sie gute Freunde, nicht nur Kollegen

Herr Loos konnte nichts dafür, daß unser Vater in Rhein Main nicht tätig werden durfte, das waren interne Querelen der Innendienstler in den jeweiligen UFA- Bezirks-Büros. Soetwas gab es nach dem Krieg auch wieder. Herr Loos bekam aber keine Ersatzteile auf Vorrat, er könne die ja sofort holen. Unse Vater fuhr aber die Mosel rauf und runter. Da mußte er die Teile im Auto haben.

Da sie viel und lange telefoniert hatten, vermute ich heute im Rückblick und in der Erinnerung, Herr Loos war nicht die hellste Leuchte, um diese bürokratischen Zwänge zu unterlaufen. Wie gut er fachlich wirklich war, weil er ja mehrmals in der Woche dort hin mußte, kann ich nicht mehr bewerten.

Unser Vater Gerhard Redlich ist in 2017 mit 98 Jahren verstorben und wollte mir in den letzen Jahren nichts mehr aus diese Zeit erzählen und ich wollte ihn dann auch nicht mehr quälen.

Sein kostbares Notizbuch habe ich aber gerettet.

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