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Dieses (Kultur-) Magazin aus dem Wien vom Juli 1939 - Nr.16

Wir haben zur Zeit nur dieses eine Exemplar / Magazin aus dem Juli 1939. Es war die Zeit als manches nach Krieg roch, aber der Krieg gegen Polen startete erst Monate später.
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Anmerkung : Bitte beachten Sie den Sprachgebrauch von 1939

Obwohl von Minister Göbbels der Austausch aller Fremdwörter gegen urdeutsche Bezeichnungen befohlen war, finden Sie hier immer noch öfter die "Regie" oder den "Regiseur" anstelle des "Spielleiters". Auch sonst fallen die heroischen Formulierungen im reichsdeutschen Sprachgebrauch auf. Weiterhin : Einge zu triviale Artikel haben wir dann doch übergangen.

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Es war die kurze Zeit vor dem Beginn des 2. Weltkriegs

Wiener Bühne -Juli 1939 Heft 16

Österreich war im März 1938 von einem (eingedeutschten) Österreicher Namens Adolf Hitler bereits heim ins österreichische Nachbar-Reich geholt worden (kampflos) und wurde zur reichsdeutschen Ostmark degradiert. Die Tschechoslowakei wurde dann im September 1938 auch noch (kampflos) okupiert und eingemeindet, jetzt als Protektorat über Böhmen und Mähren. Die ehemalige Kaiserstadt Wien war zwar immer noch eine große Stadt, aber Berlin wurde die gemeinsame Reichshauptstadt.

Dieses Wiener Magazin ist vom Juli 1939 und es durfte sogar noch eine bunte Titelseite enthalten. Im Reich war 1939 der Bunt-Druck bereits streng reglementiert.
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Über die Hälfte der Magazinseiten sind mit trivialen Fortsetzungsgeschichten aus einem nicht mehr vorhanden Land gefüllt. Die gezeigten Kleider waren schon lange nicht mehr käuflich zu erwerben bzw. anzufertigen, außer bei den gigantischen Filmdrehs.
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Hintergründe von Herausgeber und Zeitschrift

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Wenn es in der ersten österreichischen Republik einen waschechten Zeitungsmogul gab, dann Imre Békessy. Seine frühen publizistischen Erfahrungen machte er in der Provinzpresse der Föderativen Ungarischen Sozialistischen Räterepublik, der zweiten kommunistischen Staatsgründung nach Ausrufung der russischen Sowjetrepublik im Jahr 1917.

Die ungarische Räterepublik hielt sich aber gerade mal über den Sommer 1919. Dann marschierten die rumänischen Streitkräfte ein und gewannen den Kampf. Békessy flüchtete und erreichte – so die Legende – in einem rostigen Donaudampfer und mit wenig mehr als den Lumpen am Leibe die Stadt Wien.

Dort etablierte er 1923 die Tageszeitung "Die Stunde" und mit ihr den sogenannten Revolverjournalismus. Der Begriff ist wörtlich zu nehmen: Fertige Druckfahnen mit kompromittierenden Artikeln wurden den Firmeninhabern vorgelegt. So flossen erhebliche Anzeigengelder. Es war Erpressung pur durch brutale Öffentlichkeitsandrohung, Akquise mit der Pistole an der Brust. Wirb oder stirb. Der Ruf der Zeitung war entsprechend.

Békessys publizistische Skrupellosigkeit mit der "Stunde" bei gleichzeitiger Depression (inkl. mehrerer Selbstmordversuche ab 1926), seine gepflegte Feindschaft mit Karl Kraus (Herausgeber der "Fackel") sowie das zerrüttete Verhältnis zu seinem Sohn, der sich von Janos Békessy zu Hans Habe umbenannte (raus aus dem Schatten des Vaters) und nach dem Zweiten Weltkrieg als US-Presseoffizier am Fließband deutsche Zeitungen gründete, seien ein anderes Mal Raum gegeben.
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So war Békessys zweite Blattgründung "Die Bühne" nunmal.
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Das erste Heft der "Bühne" erschein ein Jahr nach der "Stunde". Die Startauflage betrug 1924 rund 30.000 Exemplare. Nach österreichischem Anschluss an das Deutsche Reich folgte 1938 unverzüglich die Arisierung der Belegschaft und Umbenennung in "Wiener Bühne".

Békessy musste wieder flüchten, emigrierte zuerst in die Schweiz, dann nach Amerika. 1943 wurde auch die "Wiener Bühne" eingestellt – „kriegsbedingt“ wie schon das Berliner "MAGAZIN".
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DIE WIENER BÜHNE bringt:

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  • Salzburg 1939....... . 2
  • Sommerliches Theater In der Reichshauptstadt .....4
  • DIE KURZGESCHICHTE: junge Frau - etwas verliebt. Von Erwin Kaltenhuber ..... 5
  • Drei Uhr - Cafe Regent. Von Walter Hans Boese.....6
  • Rund um Lilian Harvey. Von Paul Dubro........7
  • Der Meister, Von Werner Ernst Mischler.........10
  • Feststadt München. Bericht vom „Tag der Deutschen Kunst". Von Theodor Trümmer . . . .11
  • Käthe Dorsch filmt in Wien ... 13
  • Filmnotizen.........14
  • Kuß ohne Liebe. Von Herbert Weiß ..........15
  • Kleine Umschau in der Ostmark . 16
  • „Tag der Deutschen Kunst" . . .18
  • WIENER THEATER: „Ich bin kein Casanova" - „Der Vogelhändler" ...........20
  • Festliches Baden. Zum Auftakt des Zweiten Beethovenfestes in Baden bei Wien.....21
  • Schöpferische Schauspielkunst . 22
  • Italienisches Theater (III). Von Mario Tipaldo.......24
  • Afrikas beste Tänzer ... .30
  • AUTOMOBIL-BUHNE .....34
  • Das weiße Kleid.......36
  • FRAU UND HEIM .... 38
  • MODE...........40

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SALZBURG 1939

Vom 1. August bis 8. September begeht Salzburg heuer seine festlichen Tage, Ffahnen flattern von den Häusern mit den barocken Fassfaden, leuchtende Fahnen in engen Gassen und an weiten Plätzen.

Bürgerhäuser und Prunkbauten, die die Plätze der Altstadt begrenzen, sind die Kulisse eines Theaters; die ganze Stadt bildet eine große Bühne, ein Schaubild voll Farbe und Bewegung, voll Musik und Tempo.

Straßenzüge und Plätze zeigen Szenen von vollkommener Theaterperfsektive. Palastfronten und Kirchengetürm bauen den Hintergrund in ansteigendem Hintereinander auf, dem die Hügel und Berge in der Ferne die Weite und Tiefe eines ungeheueren ßühnenraumes geben.

In dieser Szene lebt der theatralische Geist des Salzburger Barocks, jener Geist, den Wolf Dietrichs Sehnen nach Licht und Weite gebar, der die rauschenden Prunkprozessionen Markus Sittikus über die sonnengleißenden Plätze am Fuße der Hohensalzburg führte, der aus den Spielen der »Alma Benedictina« das einzigartige Salzburger Barocktheater schuf, der auch in Schikaneders Hoftheater hundert Jahre später lebendig war, der Geist, der die Namen Stefano Bernardi, Georg Muffat, v. Bibern, Antonio Caldara, Leopold Mozart und Michael Haydn, deren Schüler Heinrich Marchand und Joseph Wölfl, Sigmund Neukomm, Johann Schlier und auch Carl Maria von Weber mit Salzburg verband und der im einfachen Bergfolke des Salzburger Landes im »Hanswurst«, in den Perchtenspielen und dramatischen Volksbräuchen lebendig blieb - der Geist des Salzburger ßarock, der sich in Mozarts »Zauberflöte« endlich ganz erfüllte; derselbe Geift, der Richard Wagner so bezauberte, als er von einem Festspielhaue in Salzburg träumte, das dem gesamtdeutschen Kunstleben dienen sollte, und der heute, fast ein Jahrhundert später, Wagners Traum in voller Wirklichkeit erstehen ließ.

Fahnen flattern in Salzburg. Tausende Menschen aus allen Gauen des Reichen gehen durch die engen Gassen und über die meisen freien Plätze. Gocken läuten, Brunnen rauschen und von der Festung orgelt der »Stier«. Melodien tönen auf, klingende Akkorde liegen über der Stadt: Musik und Bewegung, Harmonie und Schönheit - Salzburg beginnt sein festliches Spiel !

L. Grundner im Juli 1939
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SALZBURGER FESTSPIELE 1939

Die Salzburger Festspiele 1939 sind Opern-Festspiele. Sieben Opern stehen auf dem Programm, die die Wiener Philharmoniker unter Leitung von Karl Böhm, Hans Knappertsbusch, Clemens Krauß und Tullio Serafin zur Aufführung bringen werden.

Mozart steht an erster Stelle: „Die Entführung aus dem Serail" unter der Regie Wolf Völkers und mit den Schauspielkräften Irma Beilke, Erna Berger, Sven Nilsson, Helge Roswaenge und Richard Sallaba gelangt dreimal (7., 14. und
22. August 1939), „Don Giovanni" in italienischer Sprache (Dirigent: Clemens Krauß, Regie: Wolf Völker, mitwirkend: Hilde Konetzni, Elisabeth Rethberg, Anton Dermota, Virgilio Lazzari, Ezio Pinza, Ludwig Weber) ebenfalls dreimal (9., 18. und 27. August 1939), „Le Nozzedi Figaro" in italienischer Sprache (Dirigent: Hans Knappertsbusch, Regie: Guido Salvini, mitwirkend: Angelica Cravcenco, Maria Reining, Eszther Rethy, Martha Rohs, Giuseppe Nessi, Ezio Pinza, Gino del Signore, Mariano Stabile) viermal (13., 21., 31. August und 8. September 1939) zur Aufführung.

C. M. Webers „Freischütz" (Dirigent: Hans Knappertsbusch, Regie: Heinrich Strohm, mitwirkend: Tijana Lemnitz, Erna Berger, Herbert Alsen, Paul Schäffler, Wilhelm Schirp, Franz Völker, Marcell Wittrisch) wird am 3., 11., 19. August und 4. September 1939, Verdis „Falstaff" in italienischer Sprache (Dirigent: Tullio Serafin, Regie: Guido Salvini, mitwirkend: Angelica Cravcenco, Augusta Oltrabella, Mita Vasari, Piero Biasini, Mariano Stabile, Gino del Signore, Alfio Tedesco, Virgilio Lazzari) am 5., 23. August und 2. September 1939, Richard Strauß' „Rosenkavalier" (Dirigent: Karl Böhm, Regie: Erich von Wymetal, mitwirkend: Hilde Konetzni, Elisabeth Rethberg, Martha Rohs, Eszther Rethy, Fritz Krenn) am 1., 8., 15., 24., 29. August und 3. September, und schließlich Rossinis „Il Barbiere di Siviglia" in italienischer Sprache (Dirigent: Tullio Serafin, Regie: Guido Salvini, mitwirkend: Margherita Perras, Salvatore Baccaloni, Ezio Pinza, Mariano Stabile) am 16. und 2$. August und 5. September 1939 aufgeführt.

Und hier zur Musik

An Schauspielen bringen die diesjährigen Festspiele: Shakespeares „Viel Lärm um nichts" in der Felsenreitschule (Regie: Heinz Hilpert, Bühnenbild: Ernst Schütte, mitwirkend: Angela Salloker, Ewald Baiser, Franz Pfaudler, Bruno Hübner, Paul Dahlke) am 4., 12., 20., 16. August, 1. und 7. September 1939, und Molieres „Bürger als Edelmann", mit der Musik von Richard Strauß (Regie: Heinz Hilpert, Bühnenbild: Otto Niedermoser) unter Mitwirkung von Hans Moser und Theodor Loos, am 10., 17., 28. August und 6. September 1939.

Die Wiener Philharmoniker bringen 9 Orchesterkonzerte, in denen unter den Dirigenten Kar! Böhm, Edwin Fischer, Hans Knappertsbusch, Clemens Krauß, Willem Mengelberg, Tullio Serafin und Richard Strauß Werke von Beethoven (IX. Symphonie unter Knappertsbusch am 6. August), Brahms, Bach, Gluck, Mozart, Richard Strauß, Tschaikowski („Romeo und Julia" unter Mengelberg am 30. August), Verdi („Requiem" unter Serafin am 3. September) sowie italienischer Meister (Respighi, Pizzetti, Scarlatti usw. unter Tullio Serahn am 2. August) aufgeführt werden.

Das Salzburger Mozart-Orchester, das Mairecker-Quartett, das Salzburger Mozart-Quartett und das Weißgärber-Quartett spielen bei den acht Serenaden im Hofe der Residenz.

In einem Kammermusikabend im Mozarteum bringen Elly Ney, K. Stumvoll, Max Strub und L. Hölscher Werke von Mozart und Schubert. In der Peterskirche gelangen am 12. und 16. August Mozarts C-Moll-Messe und Requiem unter der Leitung von Meinhard Zallinger zur Aufführung.
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Rund um Lilian Harvey (von Paul Durro)

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Kapitel 3. (Die Kapitel 1 und 2 liegen leider nicht vor.)
GLÜCKSKINDER, ABER KEINE HERAUSFORDERUNG DES SCHICKSALS

Dieser dreifache Sturz ins kalte Wasser war aber keine schlechte Vorbedeutung für ihren Erfolg in „Sehwarze Rosen". Das erste große deutsche Tonfilmpaar, das mit „Liebeswalzer" und dem „Tanzenden Kongreß" für den deutschen Tonfilm eine Schlacht in der Welt gewonnen hatte, hatte seine Zugkraft behalten.

Obwohl nun dieser neue Film Lilian und Willy von einer ganz anderen Seite zeigte, von einer Seite, die man bisher aus ihrem Zusammenspiel nicht kannte (vielleicht sogar gerade deswegen!), blieb ihnen der Erfolg ihrer ersten Tonfilmjahre treu.

Nun galt es, einen neuen Stoff für die dem deutschen Filmschaffen zurückgewonnene Künstlerin zu finden. Viele Monate gingen ins Land, bis endlich eine Geschichte gefunden war, die ebenfalls sich ganz von der früheren musikalischen Lustspiel« form löste.

Es war die ganz einfache Geschichte von einem jungen Feuilletonisten einer großen Zeitung, der aus Mitleid das Objekt seiner Berichterstattung vor dem Schnellgericht heiratet. Es wäre einfach gewesen, aus dieser Erzählung einen der üblichen operettenmäßig aufgemachten Unterhaltungsfilme zu machen.

Das Dreigespann: Paul Martin, Lilian Harvey und Willy Fritsch hatte sich aber zusammengefunden, hier wirklich einen geistreichen deutschen Dialogfilm zu drehen. So wurde zum Vierten im Bunde einer der bekanntesten und in Deutschland erfolgreichsten Bühnenschriftsteller gewonnen: Kurt Götz. Durch ihn erhielt diese Komödie aus dem Dialog her ihren besonderen Stil. Pointe wurde gegen Pointe gesetzt, und an die Schauspieler dieses Films wurden die größten Anforderungen gestellt.

Dann kam noch eines hinzu: „Glückskinder" wurde dieser Film genannt, allen abergläubischen Menschen zum Trotz, die in diesem Titel eine schlechte Vorbedeutung für den Erfolg des neuen Filmwerkes sahen. Alle Beteiligten waren aber mit einer Begeisterung bei der Durchführung dieses Films tätig, daß die Abergläubischen in keinem Falle recht behalten konnten.

In einem Interview erzählte Lilian damals, wie sehr sie oft bei der Arbeit an diesem Film an ihre Amerika-Zeit erinnert würde. Das große Reporterzimmer der amerikanischen Zeitung, in dem sich das Filmgeschehen abspielt, weckte die Erinnerungen an die mehr oder minder schönen „Stunts" über sie, die damals die amerikanische Presse füllten.

Zuerst war sie oft erschreckt, aber da die anderen, ihre Kollegen und Kolleginnen, nicht minder ihr angebliches Privatleben und ihre Privatinteressen propagandistisch aufgebauscht in den Zeitungen fanden und sich darüber keine grauen Haare wachsen ließen, fand sieh auch Lilian damit ab.

„Ich wundere mich über gar nichts mehr", sagte sie drüben einmal zu einem großen Filmpressemann, worauf der ihr in komischer Entrüstung antwortete: „Aber Miß Lilian, Sie sollen sich doch über die Dinge wundern, die wir über Sie schreiben!"

Selten ist bei einem Film das Milieu so echt in Erscheinung getreten wie in dem Film „Glückskinder". Und Paul Martin, der neben seiner Regietätigkeit auch als Schriftsteller in Amerika tätig war, hatte als Hauptschauplatz dieses Films eine Redaktion einer großen amerikanischen Zeitung auf die Beine gestellt, daß jeder Kenner der Zeitungsverhältnisse drüben in lautes Entzücken ausbrach.

Mit „Schwarze Rosen" und „Glückskinder" war Lilian dem deutschen Film in jeder Richtung zurückgewonnen. Das Dreigespann: Ufa-Harvey-Fritsch, das Welterfolge für den deutschen Film errungen hat, hatte auch im Ausland nicht seine Zugkraft eingebüßt und sich viele neue Freunde durch die ersten beiden Filme errungen.

Und schon jetzt stand bei Lilian Harvey der Entschluß fest, nur wenige Filme höchstens zwei im Jahr zu drehen, eine Einstellung, die sich langsam auch in Hollywood durchsetzt, um die erfolgreichen und großen Begabungen nicht durch zu viele Filme unwesentlichen Inhalts zu entwerten.

Kapitel 4.
LILIAN ZWISCHEN DEN FILMSCHLACHTEN

Die vielen Monate Pause zwischen ihren Filmen bedeuten für Lilian Entspannung und Einarbeiten in das kommende Filmwerk. Es gibt wohl wenige Schauspielerinnen, die sich in so systematischer Form wie die Harvey in ihrer Freizeit tänzerischen und sprachlichen Studien widmen. Und zu diesen Studien, die feste Stunden am Tage einnehmen, kommt noch, besonders bei ihren historischen Filmen, eingehendes Quellenstudium.

Lilian hat bekanntlich eine Besitzung bei Juan-les-Pins. Dann hat sie sich nun bei Dehreczen das über zwölf hundert Morgen große Gut des Grafen Zichy gekauft, und während sie in Juan-les-Pins nur Villenbesitzerin war, wurde der Gutskauf die Erfüllung ihres Wunsches, auf dem Lande in einer idyllisch schönen und doch abgelegenen Gegend ganz von ihrem sonstigen Filmleben loszukommen.

Tetetlen ist ein Dorf, etwa vierzig Kilometer von der rumänischen Grenze und knapp hundertachtzig von Budapest entfernt. Es hat fast zweitausend Einwohner. Beim Besuch in Tetetlen zeigt sich schon am Dorfeingang, daß hier der Einfluß der neuen Gutsherrin sich stark auswirkt. Der kleine Kaufmannsladen zeigt in der Auslage Dinge zum Verkauf, die in den anderen kleinen ungarischen Dörfern nicht zu finden sind. Auf die Frage, wie man zum Gut Lilian Harveys kommt» bekommt man die Antwort, es liege mitten im Dorf.

Es ist eines der üblichen, landhausähnlichen Schlösser ungarischer Magnatenfamilien. Ein großer, viel hundert Jahre alter, romantischer Park umgibt es. Stolz zeigt der Gutsverwalter in der Abwesenheit Lilian Harveys das große Schwimmbassin, den englischen Park, der seine ursprüngliche Form wiedererhalten hat, und nicht zuletzt den hübschen, kleinen Gartenpavillon, wo einst Franz Liszt gewohnt und einige seiner schönsten Musikwerke geschaffen hat.

Der Gutsverwalter, ein akademisch gebildeter Landwirt, erzählt, wieviel Verehrung das ganze Dorf für seine Künstlerin zeigt. Jedesmal, wenn sie ihre Ankunft ankündigt, freut sich das ganze Dorf, und nicht zuletzt sorgen die Kinder dafür, daß jeder von Lilians Ankunft Notiz nehmen muß.

Es ist in ungarischen Dörfern Sitte, daß die Bauern ihre Gutsherrin, wenn sie ihr begegnen, mit einem Handkuß begrüßen. So war es auch bei einem Besuch, als Lilian Harvey nach der Uraufführung von „Fanny Elßler" in Berlin in ihrer „zweiten Heimat" eintraf. Da war die ganze Dorfjugend, die sie auf dem letzten Weihnachtsfest besonders beschenkt hatte, auf dem Bahnhof versammelt. Und kaum war Lilian Harvey aus dem Zug gestiegen, kommandierte der Lehrer: „Erst Nas' putzen, dann Hand küssen!"

In den Wochen ihrer Anwesenheit in Tetetlen ist Lilian Harvey keineswegs untätig. Sie erzählte einmal, daß sie dann bei ihrem Gutsverwalter in die Lehre gehe, um einmal ein wirklich vollendeter „Gutsherr" zu werden. Am frühen Morgen reitet sie mit ihm auf Inspektion und kümmert sich nicht nur darum, daß die Handwerker die Renovierungsarbeiten im Schloß zu ihrer Zufriedenheit ausführen, sondern ebenso um ihre großen Schweine-und Kuhherden, nicht zuletzt um ihre Lipizanerpferde, eines der berühmtesten Lipizai-Gespanne, die sie mit dem Gut zusammen erworben hat. Dieses Gespann ist ihre große Freude und auch ihr größter Stolz. Der Erwerb des Gutes fiel gerade in ihre freien Monate zwischen „Glückskinder" und „Sieben Ohrfeigen", und sie erzählte in Berlin, welche Freude ihr der neue Besitz und die Aufgaben, die sie damit übernommen hat, machten.
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Kapitel 5.
OHRFEIGEN, DIE DAS ZWERCHFELL ERSCHÜTTERN

Betrachtet man die schauspielerische Entwicklung Lilian Harveys, so zeigt sich, daß sie sich in jedem Film neue, möglichst völlig andere Aufgaben stellt. Gegen die früher übliche Festlegung auf ein bestimmtes Rollenfach hat sie sich energisch und erfolgreich gewehrt.

Wieder lag eine Anzahl von Monaten zwischen den „Glückskindern" und dem neuen Film, dessen Thema „Die sieben Ohrfeigen" waren. Nun war dieser Manuskriptentwurf keineswegs eine Idee der letzten Jahre. Paul Martin ist mit der Idee zu diesem Film bereits 1933 nach Amerika gegangen und hatte gehofft, ihn mit Lilian Harvey in der Hauptrolle in Hollywood drehen zu können. Fast wäre ihm das auch gelungen, wenn nicht geschäftstüchtige Filmleute einen neuen Stil für „Lilian" gefunden hätten und diese Rolle nun nicht mehr zu diesem Typ paßte.

Also wurde die Idee von den sieben Ohrfeigen zurückgestellt. Sie war bei der Neuverpflichtung Lilian Harveys für den deutschen Film schon ein wesentliches Moment. Damals standen „Schwarze Rosen" und „Sieben Ohrfeigen" zur Diskussion.

Aus vielerlei Gründen entschloß man sich aber, „Schwarze Rosen" vorzuziehen, denn der Film „Sieben Ohrfeigen" bedurfte äußerst pointierter, durchgearbeiteter Dialoge, die nicht aus dem Stegreif geschaffen werden konnten.

Die Handlung dieses Films baute sich ja in der Hauptsache auf dem Dialog der wenigen Personen auf. Als der Film „Glückskinder", nicht zuletzt wegen seiner Dialoge, zu einem so großen Erfolg geworden war, übertrug man die Dialoggestaltung auch dieses Films wieder Kurt Götz, der in vielwöchiger Arbeit das von B. Lüdtke geschriebene Manuskript nun dialogmäßig durchfeilte.

An dieser Arbeit hatten Paul Martin und Willy Fritsch aktiven Anteil, denn Kurt Götz als bühnenerfahrener Autor, der selbst Spielleiter und Schauspieler ist, war es nicht nur wichtig, einen geschlossenen Dialog zu gestalten, er hatte auch volles Verständnis für die Notwendigkeit, daß dieser Dialog von den handelnden Personen glaubhaft und mühelos gesprochen werden konnte.

So vollzog sich hier Gemeinschaftsarbeit im besten Sinne, aber nicht so, wie es früher üblich war: daß nämlich der Dialog der einzelnen Filmszenen erst während der Atelierarbeit gestaltet wurde, das heißt, daß sich Autor und Spielleiter jeden Abend hinsetzten, um die Dialoge für den nächsten Tag zu schreiben. Diese Zeiten schlechter Arbeitsvorbereitung sind im deutschen Film vorüber.

Die Londoner Athmosphäre einfangen

Längst vor Beginn der Atelierarbeiten waren Kameraleute der Ufa in London tätig, um die typische Londoner Atmosphäre, in der dieser Film nur möglich war, einzulangen.

Man filmte die großen englischen Fußballmatches, machte Milieuaufnahmen im Hydepark und im Londoner Straßenleben. Hinzu kam, daß Lilian Harvey als Trägerin der weiblichen Hauptrolle in diesem Film sozusagen Heimatluft atmen konnte. Sie hat bekanntlich in London ihre Kinderjahre verbracht.

Bekannt ist die Geschichte von dem jungen Schotten, der einem der großen Finanzleute wegen des Verlustes von sieben Pfund sieben Ohrfeigen verabreichen wollte und das in der Zeitung angekündigt, wodurch es zu einem öffentlichen Wettkampf kommt.

In die Arbeit dieses Films fällt ein Ereignis, das die Freunde des Künstlerpaares Harvey-Fritsch erstaunt aufhorchen ließ. Willy Fritsch heiratete, aber nicht Lilian Harvey, wie manche Backfische vielleicht hofften, die künstlerische Zusammenarbeit mit Privatleben verwechseln und in den beiden seit vielen Jahren trotz noch so klarer und energischer Dementis ein Ehepaar vermuteten, sondern die bekannte deutsche Tänzerin Dinah Grace.

Lilian Harvey war Trauzeuge. Es gab kein gebrochenes Herz und auch keine Ohrfeigen außer jenen, die Willy Fritsch dem Großbankier Terbanks (von dem inzwischen verstorbenen Alfred Abel gespielt), verabreichte. Damals geschah es, daß Freunde von Willy Fritsch den Tag der Hochzeit erfahren wollten und zur Antwort bekamen: „Das kann ich noch nicht genau sagen. Wir werden an dem Tag heiraten, an dem Lilian und ich zum erstenmal beide vormittags nicht im Atelier sein müssen, weil sowohl ich als auch sie als Zeugin dazu notwendig sind. Und das kann man trotz genauester Arbeitsdisposition nicht wochenlang vorher wissen."

(Weitere Artikel folgen)
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Feststadt München
Bericht vom „Tag der deutschen Kunst" - 14. bis 16.7ulf 1939

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Zu den machtvollsten Kundgebungen des nationalsozialistischen Kulturwillens gehört der „Tag der Deutschen Kunst" in München, den man sehr richtig ein Lebensfest aller Deutschen genannt hat. Er beweist der ganzen Welt mit bezwingender Eindringlichkeit, welche hohe Bedeutung das neue Deutschland der Kunst beimißt und wie stark unser Volk mit allem künstlerischen Schaffen innerlich verbunden ist.

Von den Anfängen des staatlichen Lebens bis auf heute, hat dieses Volk auf allen Gebieten der Kunst ungewöhnliche Leistungen hervorgebracht, die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus zum Gemeinbesitz der ganzen Kulturwelt geworden sind.

Dieses stolze und reiche Erbe legt uns die heilige Verpflichtung auf, alle Kräfte einzusetzen, um es zu wahren und zu mehren. In klarer Erkenntnis dieser Notwendigkeit ist man heute darum bemüht, der Kunst jene hohe Würde wiederzugeben, die früher oft durch den Einfluß volksfremder Elemente und die Machwerke unfähiger Pseudokünstler geschmälert wurde.

Bei der Grundsteinlegung des Hauses der Deutschen Kunst 1933 hat der Führer darauf hingewiesen, daß man sich keinen Wiederaufstieg des deutschen Volkes denken könne, ohne den Wiederaufstieg der deutschen Kultur und Kunst. Dieses ist der Gedanke, in dem alle Bestrebungen der deutschen Kunstpflege im Dritten Reich wurzeln.

Der „Tag der Deutschen Kunst" ist ein einzigartiges Fest, das alle Deutschen ohne Unterschied des Standes zur gemeinsamen Huldigung für einen erhabenen ewigen Wert zusammenschließt. An diesem Tage wird das Andenken jener genialen Menschen beschworen, die im Laufe der Jahrhunderte den mächtigen Bau der nationalen Kunst aufgeführt haben und zugleich dem Glauben Ausdruck gegeben, daß schöpferische Kräfte ihn auch in Zukunft fortsetzen werden. Denn die Kunst schafft über dem Alltag eine Welt des höheren Lebens, sie ist das Heiligtum eines Volkes, und ohne sie gibt es keine Kultur.

Unter allen Städten unserer großen deutschen Heimat ist München ganz besonders dazu geeignet, den Rahmen für dieses Fest zu bieten. Hier vereinigen sich die verschiedensten Strömungen des Kultur- und Geisteslebens in einem Zentrum, hier sind die herrlichsten Kunstschätze gesammelt, hier lebten Maler, Bildhauer, Musiker und Dichter und unter ihnen die Träger stolzester Namen; hier stehen prachtvolle Bauten als Zeugen der großen historischen Vergangenheit und der großen Gegenwart, hier atmet man Kunst.

Hier steht auch das Haus der Deutschen Kunst, in dem alljährlich eine vorbildliche Auswahl aus dem Scharfen der bedeutendsten deutschen Künstler gezeigt wird. Es ist in der klassischen Klarheit und Harmonie seiner baulichen Gestaltung ein eindrucksvolles Symbol für die hohe Zielsetzung unserer Kunst.
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Ein unvergeßliches Erlebnis

Wie in den vergangenen Jahren, so gestaltete sich auch heuer der „Tag der Deutschen Kunst" zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Aus allen Teilen des Reiches waren die Deutschen in München zusammengeströmt, um Zeugen dieses Festes zu sein.

Man muß es, um es in seiner wahren Bedeutung richtig zu würdigen, als eine einzige große Gemeinschaftsleistung betrachten, denn die verschiedensten Formen menschlicher Tätigkeit hatten sich verbunden, um sein Gelingen zu ermöglichen.

Nicht nur die schaffenden Künstler, Musiker, Dichter, Maler, Schauspieler, Sänger und Regisseure, sondern auch die Männer der Technik und der Organisation machten ihr Können dem Werke dienstbar. Dieses Zusammenwirken aller für ein gemeinsames Ziel, als ein Zeichen echter Volksgemeinschaft verdient Bewunderung und ist einer der schönsten Eindrücke, die man von München mit nach Hause nimmt.

Schon bei der Ankunft auf dem Hauptbahnhof wird man von der großen, festlich geschmückten Halle überrascht, und wenn man dann auf die Straße tritt, scheint es, als ginge man im Märchen. München hat ein strahlendes Festkleid angelegt und wirkt wie verzaubert. Man geht herum und weiß nicht, wohin man zuerst blicken soll. Künstlerische Phantasie hat der auch im Alltag prächtigen Stadt eine faszinierende Dekoration gegeben.

In den großen Hauptstraßen wallen mächtige Fahnen mit dem Hoheitszeichen und den Symbolen der Kunst von den girlandengeschmückten Häuserfronten herab, an den Fenstern sind kleine Lämpchen angebracht, riesige Pylonen säumen die Fahrbahn ein, breite Bogen aus Reisig, mit Lampions geschmückt, von Gold- und Silberbändern durchflochten, wölben sich darüber, echte und künstliche Blumen schmücken die Nischen, auf hohen Postamenten erheben sich große Figuren und Sinnbilder und im dunklen Grün des Tannenreisigs leuchten die Wappen verschiedener Städte.

Und dazwischen flutet der Strom der Passanten auf und ab, lauter Menschen, denen die festliche Stimmung und freudige Erwartung aus den Augen strahlt. Wohin man auch kommen mag, überall sieht man wieder eine neue Dekoration, und kaum hat man sie noch ins Auge gefaßt, wird der Blick schon wieder von einer anderen reizvollen Szenerie angezogen. München scheint wie eine einzige große Bühne, auf der ein Reigen bunter Bilder der Lebensfreude vorüberzieht, und man fühlt beglückt, daß in dieser Stadt die Musen ihre heitere Herrschaft ausüben.

Einzelne Gipfelpunkte

Aus der reichen Fülle der festlichen Veranstaltungen ragen einzelne als Gipfelpunkte empor. Zur feierlichen Eröffnung des „Tages der Deutschen Kunst" sprach Gauleiter Wagner am 14. Juli 1939 im Festsaal des Deutschen Museums, wobei die Berliner Philharmoniker mitwirkten. Am selben Tage empfing der Führer die Ehrengäste im Führerbau am Königlichen Platz. Am Abend fand im Dante-Stadion die Uraufführung des großen Tanzfestspieles „Triumph des Lebens" statt, das in symbolischen Tanzszenen voll Anmut und Schönheit den Rhythmus des Seins zum Ausdruck brachte.

Der 15. Juli brachte im Künstlerhaus die Jahresversammlung des Hauses der Deutschen Kunst und die Festsitzung der Reichskammer der bildenden Künste mit der Rede des Reichsministers Dr. Goebbels. Außer den führenden Persönlichkeiten aus Staat, Partei, Wehrmacht und vielen Kunstschaffenden nahm auch der italienische Minister für Volksaufklärung und Propaganda Alfieri an der Tagung teil.

Ihre besondere Bedeutung erhielt sie durch die Anwesenheit des Führers. In seiner Rede stellte Dr. Goebbels die Ziele und Aufgaben der nationalsozialistischen Kunstpolitik fest und betonte dabei, daß die Kunst eine Funktion des nationalen Lebens sei und daß sie in eine richtige Beziehung zum Volke gebracht werden müsse.

Einen hervorragenden Platz unter den Darbietungen nahmen die Konzerte der berühmten deutschen Orchester und Chöre ein, die in dem herrlichen architektonischen Rahmen der öffentlichen Plätze Münchens die edelsten Schöpfungen deutscher Musik, so unter anderen Symphonien von Beethoven, Mozart und Bruckner den andächtig lauschenden Zuhörern vermittelten.

Es spielten das NS-Reichssymphonieorchester, die Berliner-, Wiener- und Münchener- Philharmoniker und es sangen der Kölner Männergesangverein, die Münchener Sängerschaft und die Wiener Sängerknaben, um nur einige zu nennen.
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München erstrahlte in märchenhafter Schönheit

Ein Erlebnis besonderer Art war die Festbeleuchtung der Stadt in der Nacht zum 16. Juli. München erstrahlte in märchenhafter Schönheit in einem Meer von Licht. Unzählige Kerzen, auf hohen Säulen lodernde Feuer, Fackeln und Scheinwerfer wandelten die Straßen zu traumhaften Szenerien. Man stand wie geblendet vor diesem Rausch von Farben und Licht und wünschte nur, es möge die Zeit stehen bleiben und diese Nacht kein Ende nehmen.

Zu den Höhepunkten der Münchener Festtage zählte die feierliche Eröffnung der großen Deutschen Kunstausstellung 1939 durch den Führer. Schon seit den frühen Morgenstunden sammelte sich eine unübersehbare Menschenmenge in der von einem Wald weißer Fahnen eingeschlossenen Prinzregentenstraße und stand in gespannter Erwartung vor dem edlen Bau des Hauses der Deutschen Kunst.

Die Ehrenkompagnien des Heeres, der Polizei und der Formationen waren aufmarschiert und endlich erschien, von Jubel umbraust, der Führer. Nach einer Ansprache von Gauleiter Wagner ergriff der Führer selbst das Wort und legte in einer hinreißenden Rede die Bedeutung und Aufgabe der Kunst im neuen Deutschland dar.

Ein überwältigendes Schauspiel bot der große Festzug „Zweitausend Jahre Deutsche Kultur" am Sonntagnachmittag. Die großen Epochen der deutschen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart zogen in verschiedenen Gruppen vor den Zuschauern vorbei. Die Fahnen der Bewegung und der Kunst und das große Hakenkreuz im goldenen Strahlenkranz als Zeichen des sieghaften Lebens eröffneten den Zug.

Aus der schier endlosen Folge von Gestalten und Sinnbildern prägen sich viele unauslöschlich dem Gedächtnis ein. Wir sehen das germanische Schiff, den Nibelungenhort, die Gruppe der Nacht, die Weltesche Yggdrasil, den Meergott Ägir, die Helden von Walhall, Karl den Großen, Widukind, Kaiser Heinrich I., die Kreuzritter, Barbarossa, die Figuren der mittelalterlichen Heldenlieder, die Ordensritter, die Stikerfiguren am Naumburger Dom und die Turnierritter.

Es folgen die Zeit der Renaissance und des Barock, das bayrische Rokoko, die symbolische Gruppe Dichtkunst und Schauspiel mit den riesigen Masken und dem silbernen Pegasus, die Musik, dargestellt durch eine wuchtige Orgel, die Welt Richard Wagners, die klassizistische und romantische Kunst und vieles andere mehr. Zum Schluß kommt die Neue Zeit, in der die Monumentalbauten des Führers von der Macht des Reiches künden.
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Der Ausklang

Den Ausklang des Tages bildete eine zauberhafte Nacht, in der die berühmte Tradition der Künstlerfeste sieghaft auflebte. Die guten Geister des Frohsinns und der Phantasie schwangen ihr Zepter. Rauschende Musik, prunkvolle Dekorationen, feenhafte Beleuchtungseffekte und hervorragende künstlerische Darbietungen schlössen sich zu einer einzigartigen Gesamtwirkung zusammen.

Selbstverständlich haben auch die Münchener Bühnen durch ausgezeichnete Inszenierungen einen bedeutenden Beitrag zum künstlerischen Erleben dieser Tage geleistet. Im Residenztheater wurde Mozarts „Entführung aus dem Serail" und Kleists „Amphitryon" mit der Musik von Händel aufgeführt, das Prinzregententheater brachte „Faust", im Nationaltheater fand die Aufführung von „Tannhäuser" statt, in den Kammerspielen im Schauspielhaus wurde „Tasso" und im Volkstheater Nestroys „Talisman" gespielt.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der „Tag der Deutschen Kunst 1939" jedem, der ihn erleben durfte, unvergeßlich bleiben wird, denn er hat die nie versiegende künstlerische Schöpferkraft des deutschen Menschen deutlich bekundet und war nicht nur eine Rückschau auf die Vergangenheit, ein Zeugnis der Gegenwart, sondern auch der Ausblick in eine stolze Zukunft.

Man verläßt diese herrliche Stadt mit dem beglückenden Bewußtsein, daß das deutsche Volk mit seiner Kunst unlösbar verbunden ist.

Theodor Trümmer

FILMNOTIZEN

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Der Film „Zwischenfall im Weltenall"

verspricht wegen seines utopischen Vorwurfes besonders interessant zu werden. Die Spielleitung wird R. A. Stemmle übernehmen und Karl Schulz die Herstellungsleitung. Ein einmaliger Einfall wird bei diesem Film in frischer und ungezwungener Weise angepackt und trotz des großartigen und phantastischen Hintergrundes mit Humor gestaltet und in tollem Tempo abgerollt. Dieser Film macht Phantasie zur Wirklichkeit. Der ewige Sehnsuchtstraum der Menschheit gipfelt in dem kühnen Gedanken, mit technisch vollendeten Mitteln den Mond zu erreichen, um den seltsamsten aller Planeten zu erforschen. Der überdimensionale Stahlmantel der Weltraumrakete soll nicht nur Vertreter der ultramodernsten Wissenschaften, die Prominenz der Weltpresse und eine Auslese fortschrittlichster Technik umschließen, sondern bringt in dem rasenden „Sturz nach oben" auch das Wichtigste, was die Erde zu vergeben hat, die Liebe, in den unendlichen Raum zwischen den Sternen. Die besten der deutschen Schauspielerschaft leihen den Figuren der atemberaubenden Handlung Gesicht und Stimme. Grundidee und Drehbuch beweisen, daß das Gebiet der Utopie noch lange nicht erschöpft ist.

Willi Forst arbeitet an einem neuen Film.

Willi Forst ist mit den Vorarbeiten für die Inszenierung des Wien-Films „Radetzkymarsch" beschäftigt. Das Drehbuch dieses Films schreibt Gerhard Menzel.

Susi Lanner in einem neuen Film.

In Wien-Sievering begannen die Aufnahmen zu dem Film „Das Jüngste Gericht" („Nächste Woche Weltuntergang"), der in der Herstellungsgruppe Erich v. Neusser gedreht wird. Die Produktionsleitung hat Franz Antel, Spielleiter ist Franz Seitz, Kameramann W. R. Lach, die Musik schreibt Hans Lang. Das Drehbuch stammt von Franz Seitz und Waldemar Reichardt. Als Darsteller werden genannt: Susi Lanner, die Mitte Juli, aus Amerika kommend, mit der „Europa" in Bremerhaven eintrifft, weiters Hans Holt, Gertrude Wolle, Olly Holzmann, Erik Frey, Anton Pointner, Fritz Imhoff, Mimi Shorp, Anni Rosar und Winnie Markus.
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„Sommer, Sonne, Erika" mit Karin Hardt.

Für den unter der Herstellungsleitung von F. Pflughaupt gedrehten Ufa-Film „Sommer, Sonne, Erika", dessen Spielleitung Rolf Hansen hat, wurden bisher Karin Hardt, Paul Klinger und Rudolf Platte als Darsteller verpflichtet.

Welturaufführung in Venedig.

Prof. Carl Froelichs Ufa-Film „Es war eine rauschende Ballnacht" wird im nächsten Monat in Venedig zur Welturaufführung gebracht werden. Die Hauptrollen spielen Zarah Leander und Hans Stüwe.
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Paula Wessely in einem großen Lustspiel.

„Des Widerspenstigen Zähmung" heißt ein neuer Ufa-Film (Herstellung: Wien-Film), den Geza von Bolvary inszenieren wird. Es handelt sich um den ersten großangelegten Lustspielfilm mit Paula Wressely.
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„Der Feuerteufel"

In diesen Tagen ist Luis Trenker mit seinen künstlerischen und technischen Mitarbeitern in die deutschen Hochalpen gezogen, um mit den Aufnahmen zu dem Luis-Trenker-Film der Bavaria „Der Feuerteufel" zu beginnen. In diesem Film spielt Luis Trenker nicht nur die Hauptrolle, sondern führt auch gleichzeitig Regie, nachdem er mit seinem langjährigen Mitarbeiter Hanns Saßmann das Drehbuch geschrieben hat. Die Herstellungsleitung hat Willy Reiber.

Schon lange beschäftigte sich Luis Trenker mit dem Stoft dieses neuen Bavaria-Films. Die Anregungen zum „Feuerteufel" kamen ihm aus einer Reihe historischer, durch die Legende inzwischen ausgeschmückter Geschehnisse, vor den deutschen Freiheitskriegen und im Laufe derselben. Im Mittelpunkt der spannenden und stark dramatischen Handlung steht der Kärntner Valentin Sturmegger, den der Volksmund den „Feuerteufel" nannte. Luis Trenker wird ihn selbst spielen.

Dieser einfache Holzknecht, der sich in dem Kleinkrieg gegen die Franzosen schon hervorgetan hatte, wird zum unermüdlichen Kämpfer für die Freiheit seines Volkes, als er sieht, daß auch im Norden Deutschlands Gleichgesinnte leben und, wie Ferdinand von Schill, auch handeln.
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Nachwuchsdarsteller in großen Rollen.

Im Sinne der seinerzeitigen Erklärung, Nachwuchsdarsteller für große Rollen bei der „Wien-Film" heranzuziehen, hat Produktionschef Karl Hartl verfügt, daß Rudolf Prack vom Theater in der Josefstadt für eine Hauptrolle in dem Film „Mutter" verpflichtet wird.
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Marianne Hoppe bei der Ufa.

In den nächsten Tagen beginnen die Aufnahmen für einen großen Sensationsfilm der Ufa, den Eduard von Borsody unter dem Titel „Kongo-Expreß" inszeniert. Die Partner von Marianne Hoppe sind Willy Birgel und Rene Deltgen.
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„Donauschiffer"

In der Korneuburger Werft der D.D.S.G. haben die Arbeiten für den Umbau des Donauschleppers begonnen, auf dem sich die Expedition für den Wien-Film „Donauschiffer" nach Fertigstellung der Außenaufnahmen bei der Wiener Reichsbrücke donauabwärts einschiffen wird. Die Spielleitung für den Wien-Film „Donauschiffer" hat R. A. Stemmle. Produktionsleiter ist Walter Tjaden. Als Darsteller werden genannt: Hilde Krahl, Attila Hörbiger, Paul Javor, Oskar Sima.
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Gustaf Gründgens dreht einen heiteren Film!

Die Gustaf-Gründgens-Produktion der Terra bereitet einen Film „Zwei Welten" vor, der unter der Spielleitung von Gustaf Gründgens entstehen wird. Die Hauptrollen werden mit jungen unbekannten Darstellern besetzt. Sein Thema nimmt dieser Film aus der Gegenwart, wie aus einer alten, untergehenden Welt eine neue steigt und wie das Lichte und Heitere ein bestimmender Zug dieser unserer Zeit ist. Fernab von üblicher Filmkomik und durchschnittlichem Situationshumor wird Gustaf Gründgens einen wahrhaft heiteren Film drehen. Wir dürfen uns auf etwas Ungewöhnliches freuen.

KLEINE UMSCHAU IN DER OSTMARK

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Das Kunstwerk des Monats

Ein altägyptischer Reservekopf
Dieser wundervolle Porträtkopf, den die Ägyptologen als Reservekopf zu bezeichnen pflegen, wurde im Frühjahr 1914 anläßlich der Grabung der Wiener Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Professor Dr. Hermann Junker auf dem Friedhof des „Alten Reiches" (2720 bis 2200 vor unserer Zeitrechnung.) im Westen der Pyramide des Cheops bei Gizeh gefunden.

Auf jenem Friedhofe wurde eine kleine Anzahl von solchen Köpfen gefunden, die durchaus nicht ursprünglich zu einer Statue gehört haben, sondern nur als Köpfe gearbeitet waren. Sie wurden stets tief unten in oder bei der Kammer, die den Sarg des Toten barg, gefunden.

Daraus geht deutlich hervor, daß diese Köpfe mit dem Körper des Toten in einer bestimmten Verbindung standen. Da man in dieser frühen Zeit - die Köpfe gehören alle der vierten Dynastie, 2720 bis 2560 v. u. Z., an - die Mumifizierung nicht kannte und gerade der Kopf, der nach ägyptischer Anschauung der Sitz des Lebens war, seine ursprüngliche Form durch die Verwesung verlor, so suchten die alten Ägypter einen Ersatzkopf aus dauerhaftem Material in Lebensgröße zu schaffen, der dem Toten möglichst ähnlich sah, an dem aber die Seele des Toten, die zwar den Körper verlassen hat, nach ägyptischem Glauben immer wieder zu ihm zurückkehrt, den ihr zugehörigen wieder erkennt. Daher werden diese Köpfe Reserveköpfe genannt.

Unser Kopf gehört zu den schönsten, die in Gizeh gefunden wurden. Wie bei all den anderen Köpfen ist der Künstler auch hier bestrebt, keinen Typus, sondern den lebendigen Menschen wiederzugeben. Jedes Idealisieren liegt ihm fern; indessen wird mit unübertroffener Meisterschaft alles Unwichtige - kleine Einzelheiten, die scheinbar den Ausdruck eines Gesichtes bestimmen - weggelassen und nur das Charakteristische der Persönlichkeit zu erfassen gesucht. Aus diesem Gesichte spricht sowohl Tatkraft wie Verstand als auch Hoheit und Würde, vielleicht auch ein bißchen Flochmut. Gerade in diesem Ausdruck des Hoheitsvollen und des Geistes, der aus diesem Kopfe zu uns spricht und ihn weit hinaushebt über die meisten anderen Köpfe dieser Zeit, liegt die unübertroffene Meisterschaft des Künstlers, der dieses Werk gescharfen hat.
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Aktausstellung im Wiener Künstlerhaus.

Das Künstlerhaus plant für das Frühjahr 1941 eine große Aktausstellung, zu der alle ostmärkischen Künstler eingeladen werden.

Italienische Freundschaftskundgebung gegenüber Wien.

Anläßlich des Wiener Aufenthaltes einer Gruppe von 600 Arbeitern aus Florenz besuchte Commendatore Sebastiani, Nationalrat der Kammer der Fasci und Korporationen, Bürgermeister Dr. Ing. Neubacher im Rathaus.

Nationalrat Sebastiani überreichte bei dieser Gelegenheit dem Bürgermeister als Zeichen der Freundschaft und als Gruß des Bürgermeisters von Florenz die zweite Kopie des Bildwerkes, das in Florenz während des Führerbesuches im Vorjahr ausgegeben wurde. Das Werk enthält neben zahlreichen Aufnahmen der Stadt Florenz viele schöne Abbildungen italienischer Meisterwerke.

Bürgermeister Neubacher hat die Widmung mit Freude entgegengenommen und dem Bürgermeister von Florenz durch Commendatore Sebastiani seinen aufrichtigsten Dank übermittelt.
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Wien erhält ein vorbildliches Gelände für Volksfeste.

Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und „Kraft durch Freude". Zehntausende Wiener besuchten in der Zeit vom 1. bis 9. Juli 1939 die Sommerfeste der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater, jubelten begeistert den dort auftretenden Künstlern zu, nahmen fröhlich an all dem bunten Leben und Treiben der Feste teil und sammelten so neue Kräfte für die folgenden Arbeitstage.

Schon bei der Planung der Anlage des vielfältigen Vergnügungsparkes, der für diese Volksfeste auf der Jesuitenwiese errichtet worden war, hatten die zuständigen Beamten der Verwaltung der Stadt Wien in vorbildlicher Weise mit den Vertretern der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zusammengearbeitet.

Das Ergebnis dieser von echt nationalsozialistischer Gesinnung getragenen Zusammenarbeit konnten abertausende Wiener - an den beiden Samstagen und Sonntagen waren ja wahre Rekordzahlen an Besuchern zu verzeichnen - selbst beurteilen. Der hohe, weithin leuchtende Fahnenturm, die Bauten, in denen die künstlerischen Darbietungen abrollten, aber auch die sanitären Anlagen und all die anderen Aulbauten, die das Festgelände schmückten, zeigten, wie viel mit geringen Mitteln erreicht werden kann, wenn alle Kräfte gemeinsam eingesetzt werden.

Diese Volksfeste sollen nun alljährlich immer auf dem gleichen Platz wiederholt und so zu einer ständigen sommerlichen Einrichtung Wiens werden. Um dies zu ermöglichen, hat sich Gauleiter Bürckel entschlossen, der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Wien, die Wiese widmungsmäßig zur Abhaltung dieser Sommerfeste zu überlassen.

Als äußeres Zeichen dieser Zweckbestimmung wird die ausgedehnte Grünfläche in Zukunft den Namen „Kraft-durch-Freude-Wiese" tragen. Die Verwaltung der Stadt Wien wird für den Ausbau der Wiese, wie Kanalisation, stationäre Licht- und Trinkwasseranlagen und anderes mehr sorgen, während die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ihrerseits bemüht sein wird, den Festplatz alljährlich von Fest zu Fest zu verschönern.

Die NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Wien, kann diese Widmung des Gauleiters mit Recht als eine stolze Anerkennung ihres bisherigen Wirkens buchen. Zugleich ist sie aber auch ein schöner Ausdruck der vorbildlichen Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und „Kraft durch Freude" im Dienste an der Volksgemeinschaft.
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Es werden doch noch ein paar Artikel aus 1939 ergänzt

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