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Filmgeschichte(n) und Filmchronik(en) - Von 0 bis 1957

überarbeitet, korrigiert und kommentiert von Gert Redlich im Juli 2016 - Hier findenSie die bislang umfangreichste und detailierteste Historie der weltweiten Entwicklung des Films, der Filmwirtschaft (und des Kinos). Der Deutsch-Engländer Heinrich Fraenkel (geb. 1897) war hautnah dabei gewesen und beschreibt 1956/57 zwei weltweite Epochen des Films :
Es beginnt mit Teil I "Von der Laterna Magica bis zum Tonfilm" und geht weiter mit Teil II "Vom Tonfilm bis zum Farbfilm"

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Aus der "URZEIT" des Films
[Ältere Steinzeit bis ca. 20 000 v.Chr.]

Beachten Sie die extrem kleine Schrift, die unserer Technik einige Sorgen bereitet hatte

Schon in der Urzeit, die geschichtlicher Forschung erreichbar ist, erkennt man den menschlichen Drang, Bewegung bildmäßig zu gestalten. - Das gab es wohl schon bei den Neandertalern gegen Ende der älteren Steinzeit und ganz bestimmt in der jüngeren Steinzeit. In den Höhlen von Altamira (in Nordspanien) sind Tierbilder erhalten, die besonders durch die Darstellung verschiedener Bewegungsphasen bemerkenswert sind.

[Ca. 5000 v. Chr.]

In China zeigt man Schattenbilder mittels aus Büffelhaut geschnittener Figürchen.

[Ca. 2000 bis 1500 v. Chr.]

Fortlaufend dargestellte Bewegungsbilder von Bauarbeitern und Schnittern auf Steintafeln ägyptischer Prunkgräber.

[Ca. 350 v. Chr.]

Aristoteles erkennt die Reflektionswirkung und Bleichungskraft des Sonnenlichtes.

[Ca. 130 v. Chr.]

Heron von Alexandrien macht mittels seines „Geisterspiegels" Projektionen auf Tempelaltären.

[Ca. 50 v. Chr.]

Angebliche Reihenbilder des Titus Lucretius Carus mittels hauchdünner Lederblättchen. Freilich ist weder seine Vorführungsmethode bekannt, noch die Frage geklärt, ob er das „stroboscopische Prinzip" wirklich schon erkannt hat.

[Ca. 140 n. Chr.]

Ptolemaeus entdeckt die „Nachbildwirkung", also die Eigenschaft des Auges, die Erinnerung an ein soeben gesehenes Bild festzuhalten, während ein neues wahrgenommen wird. Diese Erkenntnis, auf der das „stroboscopische Prinzip" und damit der Grundgedanke der Kinematographie beruht, geriet dann 1.500 Jahre lang in Vergessenheit.

[Ca. 1000 n.Chr.]

Abu Ali Alhazan, Verfasser der „Opticae Thesaurus Alhazeni Arabis" findet den Begriff der „Camera Obscura" und erkennt ihre Projektionsmöglichkeiten.

[Ca. 1500]

Leonardo da Vinci entdeckt die „Camera Obscura" aufs neue und in technisch verbesserter Form.

[Ca. 1650]

Der Physiker d'Arcy entdeckt nach 1.500 Jahren die „Nachbildwirkung" aufs neue.
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[Ca. 1650]

Der thüringische Jesuitenpater Athanasius Kircher (1601—1630), entdeckt das Prinzip der „Laterna Magica", indem er durch die Einschaltung einer Objektivlinse in die "Camera Obscura" die Projektion erheblich verbessert.

[Ca. 1790]

Etienne Gaspard Robertson benutzt die .Phan-tasmagorien" seiner „Laterna Magica" für Jahrmarkteffekte.
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VORZEIT

[Ca. 1820]

John Ayrton Paris (ein englischer Arzt) konstruiert das „Thaumatrop" oder die „Wunderscheibe" (eine runde Pappscheibe, durch deren schnelle Drehung die Illusion erzeugt wurde, daß z. B. ein Vogel in den umseitig gemalten Käfig hüpft).

[Ca. 1830—1835]

Das von mehreren Erfindern (wie dem Belgier Joseph Plateau und dem Wiener Professor Simon Ritter von Stampfer) geschaffene „Lebensrad" oder „Stroboscop" ermöglicht die optische Täuschung, durch schnelle Drehung etwa den Galopp eines Pferdes als „lebendes Bild" erscheinen zu lassen. (Das gleiche Prinzip wird später in der „Wundertrommel" verbessert.)
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[1839]

Erfindung der Photographie, die nach Daguerre zunächst „Daguerreotypie" genannt und durch Fox-Talbots Kopiertechnik (auf Papier) sowie durch Voigtländers Objektiv schnell verbessert wird.
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[1843]

Ludwig Döbler bringt englische „Nebelbilder" nach Deutschland.

[1845]

Franz Frh. v. Uchatius, österreichischer Generalstabsoffizier, verbindet das Prinzip der „Wunderscheibe" (Lebensrad) mit dem der „Laterna Magica" und erzielt einwandfreie Projektion „lebender Bilder" mit photographischem Material (freilich nur zu „Lehrfilm"-Zwecken im Kolleg der Militärakademie).

[1853]

Ludwig Döbler kauft den von Franz v. Uchatius konstruierten Apparat „zur Darstellung beweglicher Bilder auf der Wand" für 900 Gulden und macht damit Vortragsreisen durch ganz Europa.

[1868]

Erfindung und Entwicklung des „Abblätterbuches", dessen zunächst gemalte und später photographierte Einzelbilder fortlaufender Bewegungsphasen durch schnelles Abblättern die Illusion des lebenden Bildes geben.

[1870—80]

Wesentliche Pioniere der Momentphotogra-phie sind der Engländer Bert Acres (Spezialist für Aufnahmen des Vogelflugs), der Franzose Etienne Jules Marey, Erfinder der ersten „photographischen Flinte", der Engländer Eadweard Muybridge und der Deutsche Ottomar Anschütz (geb. 16. V. 1846), der nicht nur in der Momentphotographie Bahnbrechendes leistet, sondern auch schon als ein Pionier der Kinematographie gelten kann.

[1874]

Jules Janssen benutzt bei einer Expedition nach Japan eine eigens konstruierte photographische „Flinten"-Kamera für Serienaufnahmen, mit der es ihm gelingt, den Vorübergang der Venus vor der Sonne in Bewegungsbildern festzuhalten.

[1876]

Jean Aime Le Roy nimmt 200 kontinuierliche Bewegungsphasen von tanzenden Kindern auf Platten auf und führt die Scene mit einer Projektionsdauer von nur anderthalb Minuten vor, obschon sein Vorführapparat noch fast so primitiv ist wie die von Uchatius konstruierte Verbindung von „Laterna Magica" und „Lebensrad".

[1876]

Der Franzose Emile Reynaud konstruiert das „Praxinoskop", bei dem das Schlitzverfahren des „Zootrops" durch ein Spiegelverfahren verbessert ist. Dadurch wird eine ziemlich einwandfreie Vorführung von Zeichenfilmen ("Le Jongleur", "Le trapeze", "L'equilibriste" etc.) ermöglicht.

[1877]

Der Photograph Eadweard Maybridge erzielt Bewegungsphasen durch Momentaufnahmen (galoppierende Pferde etc.), indem er viele Kameras so hintereinander anordnet, daß die Auslösung der Schlitzverschlüsse durch die vorbeigaloppierenden Tiere mittels einer elektrischen oder mechanischen Vorrichtung erfolgt.

[18. XI. 1879]

In der Berliner „Flora", dem späteren Apollo-Theater, hält Eugen Skladanowsky seinen ersten öffentlichen Projektionsvortrag.

[1879]

In San Franzisko und auf einer späteren Vortragsreise durch die USA zeigt Muybridge seine Momentaufnahmen („Chronophotographie" genannt) in Projektion.

[1879] die „Wundertrommel"

Erfindung der „Wundertrommel", die bald als Spielzeug auf den Markt gebracht wird und die „Handprojektion" eines Bildstreifens von etwa 1m Länge ermöglicht.

[1882] die „photographische Flinte"

Jules Marey zeigt die Endform seiner „photographischen Flinte" mit einer Aufnahmemöglichkeit von 12 Bildern pro Sekunde.

[1884—86] - Anschütz und die 48 Kameras

Anschütz verwendet eine Batterie von 48 Kameras, deren Schlitzverschlüsse durch das aufzunehmende Objekt (mittels eines Startfadens) elektromagnetisch ausgelöst werden.

[2. V. 1887] Goodwin und der Zelluloidstreifen

Der Amerikaner Hannibal Goodwin löst das seit Jahren vergeblich angegangene Problem, die unhandlichen Platten durch einen Zelluloidstreifen zu ersetzen, der mit dem „film" - das englische Wort für eine hauchdünne Schicht - einer belichtungsfähigen Masse überzogen ist.

Am 2. Mai meldet Goodwin sein Patent an, kommt aber bald in langjährige Patentprozesse mit dem Eastman-Konzern, der auch seinerseits einen belichtungsfähigen Film entwickelt. Erst damit ist der schnellen Entwicklung der Kinematographie die letzte Schranke aus dem Wege geräumt.

[1887]

Nach fünfzehnjähriger Vorarbeit veröffentlicht Muybridge sein zwölfbändiges Tafelwerk „Animal Locomotion - An Electrophotographic Investigation of Consecutive Phases of Animal Movements" („Eine elektro-photographische Untersuchung kontinuierlicher Bewegungsphasen von Lebewesen").

[1887-88]

Anschütz führt im Preußischen Kultusministerium sein „Electrotachyskop" („Schnellseher") vor, der bald darauf von Siemens & Halske als „Schnellsehautomat" konstruiert wird und auf Ausstellungen ein Massenpublikum anzieht. Der Apparat ist gegenüber anderen Versuchen dadurch erheblich verbessert, daß an Stelle des früher üblichen Kalklichtes die ungleich wirkungsvollere „Geisslersche Röhre" zur Anwendung kommt. Auch Zeitlupeneffekte werden schon von Anschütz erzielt.

[1888]

In Edisons Labor in Menlo Park, in dem die Vorarbeiten größtenteils von den Mitarbeitern, vor allem W. K. L. Dickson, geleistet wurden, beschäftigt sich jetzt der Chef selbst mit kinematographischen Problemen. Erst seit ihm Eastman das Rohmaterial nicht mehr in unhandlichen Platten, sondern in Form von Zelluloidstreifen liefert, beginnt ihn die Sache richtig zu interessieren, zumal er seit der im Vorjahr fertiggestellten Erfindung des Grammophons - zunächst „Phonograph" genannt - etwas weniger überlastet ist.

[21. VI. 1889] Eastmans Rohfilm und die Perforation

Friese-Greene erhält das englische Patent (Nr. 10.301) für den ersten halbwegs nach modernen Begriffen konstruierten Filmapparat. Für die Vorführung fehlt zwar noch Messters etwa gleichzeitig erdachtes „Malteserkreuz", aber Eastmans Rohfilm und die Perforation geben der Apparatur schon ein modernes Gepräge. Der erste Film - eine Szene im Hyde Park - kommt zu ziemlich einwandfreier Vorführung.

[6. X. 1889] Dicksons erster Sprechfilm

Nach seiner Rückkehr von einer Europareise läßt sich Edison von Dickson den ersten Sprechfilm vorführen, in welchem neben dem Bild der Ton von einem Phonographen durch Hörschlauch abgenommen wird. Dickson wirkt selbst mit, nimmt - im Film - den Hut ab und sagt: „Guten Morgen, Mr. Edison, wie gefällt Ihnen die Sache?" - (also gewissermaßen der erste Werbefilm!)

[1889] der „Kinetograph" und das „Kinetoscope"

In Edisons Laboratorium wird ein kinematographisches Aufnahme- und Wiedergabegerät, der „Kinetograph" und das „Kinetoscope" fertiggestellt. Analog dem Anschützschen „Schnellsehautomaten" handelt es sich um einen „Guckkasten-Apparat", der bald einigen Massenabsatz erzielt und durch die „Peep-shows" dem Erfinder viel Geld bringt.

[1889] Oskar Messter und das drehende „Malteserkreuz"

Oskar Messter beginnt mit der Verwirklichung des Gedankens, durch ein vorgeschaltetes, sich drehendes „Malteserkreuz" den Vorführungapparat wesentlich zu verbessern und damit erst eine brauchbare Projektionstechnik zu ermöglichen.

[1889]

Für Edison nimmt Dickson auf Eastman-Film tanzende und ringende Bären auf, die von einer wandernden italienischen Truppe ausgeliehen werden.

[1889-95]

Titel einiger der zwischen 1889 und 1895 von Edison hergestellten Kurzfilme: „Geistertanz der Sioux", „Teddy der dressierte Hund", „Tanzende Girls", „Madame Bertholdi", „Der Schlangenmensch", „Lassowerfen der Texas-Cowboys", „Kampf zwischen Meisterfechtern", „Boxende Katzen", „Japanische Tänzer", „Polizei hebt eine chinesische Opiumhöhle aus", „Milchweiße Flagge".

[16. IX. 1890] - ein früher Krimi

Der Erfinder Louis Aime Augustin Le Prince verschwindet auf mysteriöse und niemals geklärte Weise nebst seiner ganzen Apparatur, dem Resultat einer der Erfindung der Kinematographie gewidmeten Lebensarbeit.

[20. XI. 1890]

In einem Vortrag vor dem Photographischen Verein zu Berlin führt Anschütz seinen „Schnellseher" und seine Reihenbilder vor.

[9. III. 1891]

In der Berliner Urania zeigt Muybridge seine Serienbilder.

[24. VIII. 1891]

Einführung des 35mm-Filmstreifens durch Edison. Die Patentanmeldung erfolgt „für die Verwendung eines perforierten Filmbandes in einer Kamera für Bildaufnahmen bei konstantem Bildabstand."

[1891]

Auf der "Elektrischen Ausstellung" in Frankfurt a.M. führt Anschütz seinen „Schnellseher" vor.
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Edison läßt das erste Filmatelier bauen, und zwar auf Rädern drehbar, um das Sonnenlicht bestmöglich auszunützen. Das Atelier erhält im Kreise der Mitarbeiter den Namen „Black Maria", was dem im Deutschen für Gefängniswagen üblichen Ausdruck „Grüne Minna" (bayerisch: Zeiserlwagen) entspricht.
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[20. XII. 1892]

Das „Phonoscope", eine Konstruktion von Georges Demeny, die eine Projektion zusammenhängender Bewegungsbilder ermöglicht, wird auf einer photographischen Ausstellung in Paris vorgeführt. Im Dezember gründet Demeny für seine Erfindung eine Auswertungsgesellschaft, an der zu einem Drittel die Deutsche Automatengesellschaft in Köln (die Schokoladenfabrik Stollwerck) beteiligt ist.

[1892]

Eröffnung des „Theatre Optique" von Emile Reynaud im Musee Grevin in Paris. Dabei werden gezeichnete und gemalte Bildstreifen vorgeführt: „Der Clown und seine Hunde", „Pierrot und Pierrette", „Der arme Pierrot". Durchschnittslänge ca. 20m.

[1892-1900]

Reynaud-Filme, die bis zum Jahre 1900 in eigenem Reynaud-Theater gezeigt wurden: "Serenade des armen Pierrot", "Pauvre Pierrot", "Le Clown et ses chiens" (8 Minuten), "Un bon bock" (15 Minuten), "Autours d'une cabine", "Guillaume Teil", "Le premier Ci-gare" (1895).

[1893]

Die Arbeitsergebnisse von E. J. Marey erscheinen in Berlin in Buchform unter dem Titel „Die Chronophotographie".

Auf der Weltausstellung in Chicago ist Edisons „Kinetoscope" ausgestellt und zieht viel Publikum an.
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[1893]

Edison versucht, sein „Kinetoscope" mit seinem „Phonographen" synchron zu verbinden; die Auswertung übernimmt ein Syndikat, in welchem Vorstandsmitglieder der Edison-Phonographen-Gesellschaft (Mr. Raff und Mr. Gammon) vertreten sind. - Es ist bemerkenswert, daß die Erfinder sich gerade in der ersten Frühzeit besonders um den Tonfilm bemühen.

Eine der ersten Filmgrotesken ist die Edison-Produktion „In der Bar". - In den zeitgenössischen Kommentaren wird darauf hingewiesen, daß dieser Film zum erstenmal eine drollige Szene in ihrer Gesamtheit gestaltet, anstatt - wie das in den allerersten Filmchen üblich war - dieselbe ganz kurze Bildfolge bis zum Überdruß zu wiederholen.
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[4. IV. 1894]

Zehn „Edison-Kinetoscope" werden für den Broadway in New York geliefert. Am 4. April bringen diese „Guckkästen" den Rekord einer Tageseinnahme von 153 Dollar. .

[XI. 1894]

Im Hörsaal des Postgebäudes in der Berliner Artilleriestraße werden am 25., 29. und 30. November Serienbilder von Anschütz auf einen Wandschirm projiziert.

Ereignisse aus dem Jahr 1894

Edison erkennt, daß die von ihm zunächst angestrebte Bildfrequenz von über 40 Bildern pro Sekunde nicht tunlich ist, und geht, dem Beispiel anderer Erfinder folgend, zu der für das menschliche Auge angemessenen und seither üblichen Frequenz von 16 Bildern über.

Das in England wegen der Priorität des Friese-Greene-Patents nicht patentierte „Kinetoscope" wird von William Paul nachgebaut; er konstruiert auch eine Aufnahmekamera.

Auguste und Louis Lumiere beginnen ihre eigene Filmproduktion. Louis dreht mit seinem „Cinematographe" eine gut gelungene (und bald berühmt gewordene) Aufnahme des eigenen Arbeitspersonals am Fabriktor der Photo-Firma Lumiere in Lyon-Monplaisir.

Im November und Dezember wird das „Edison-Kinetoscope" in Paris am Boulevard Poissonniers öffentlich vorgeführt.
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Ereignisse aus dem Jahr 1895

Das französische Patent für die Filmapparatur der Gebrüder Lumiere wird unter der Patentnummer 245 032 eingetragen.
[13. II 1895]

Edisons „Kinetoscope" kommt im März in Castan's Panoptikum in Berlin zur Ausstellung.
[III. 1895]

Der „Schnellseh-Automat" von Anschütz wird im Berliner Reichstagsgebäude im März ausgestellt. Das Programm umfaßt 40 verschiedene Serienbilder. Eintritt M. 1.- bis M. 1.50.
[III. 1895]

Vor der Gesellschaft zur Förderung der Nationalen Industrie in Paris führen die Gebrüder Lumiere am 22. III. ihre Filmapparatur vor. Kurz darauf veranstalten sie eine Vorführung vor dem Kongreß der Photographischen Gesellschaft im Börsensaal von Lyon, die besonderes Aufsehen erregt, weil die Kongreßteilnehmer in der Pause gefilmt werden und der Film zwei Tage später zur erfolgreichen Vorführung kommt.
[22. III. 1895]

Thomas Armat und Ch. F. Jenkins versuchen sich mit ihrem „Phantoscop" an stereoskopischen (plastischen) Filmvorführungen.
[25. III. 1895]

Auf einer Ausstellung im Wiener Prater wird Edisons „Kinetoscop" erfolgreich vorgeführt.
[Sommer 1895]

Im November enthält das Programm im Berliner "Wintergarten" die erste Vorführung der Gebrüder Skladanowsky (und damit das allererste deutsche öffentliche Filmprogramm). An einem Doppelprojektor zeigen sie 1,5 bis 2m lange endlose Filmbänder mit Szenen, die im Sommer aufgenommen wurden.
[1. XI 1895]

Lumiere führt in Brüssel bei der Tagung der Association Beige de Photographie am 10. 11. seine Erfindung vor. - Am 16. 11. folgt eine Vorführung vor den Mitgliedern der Pariser Sorbonne.
[11 1895]

In Hamburg wird das Berliner „ Wintergarten"-Programm der Gebrüder Skladanowsky wiederholt.
[XII. 1895]

Kurz vor Jahresschluß findet die historisch bemerkenswerte öffentliche Premiere der Lumiere-Filme statt, und zwar im Indischen Salon des Grand Cafe des Capucines in Paris. Eintrittspreis 1 Fr., Saalmiete 30 Fr. Die Vorführungen haben enormen Zulauf und bringen viel Geld. Bemerkenswert ist, daß im Gegensatz zu den ersten Skladanowsky- und Edison-Vorführungen diese die erste ist, die nicht im Rahmen eines Variete-Programms, sondern selbständig abläuft.
[28. XII. 1895]

Durch den „Greifer-Mechanismus" erzielen die : Gebrüder Lumiere eine erhebliche Verbesserung ihrer Apparatur.
[1895] I

Das in Deutschland angemeldete Patent der Gebrüder Skladanowsky, Deutsches Reichspatent 88.599, wird für ein Schneckenradgetriebe zur Fortbewegung eines Filmbandes ausgestellt.
[1895]

Le Roy gründet zusammen mit M. F. Luce die Cinematograph-Gesellschaft in Cinton, USA.
[1895]

Pathe Freres, Paris, übernehmen den Vertrieb des „Edison-Phonographen" sowie des „Kinetoscope" und der von der Firma Edison hergestellten Filmstreifen.
[1895]

Alfred Clark von der Electric and Musical Industries Ltd. in London macht den ersten Versuch eines historischen Films: „Die Hinrichtung der Maria Stuart".
[1895]

Die Titel einiger der von Skladanowsky im „endlosen Band" vorgeführten Filme sind: „Italienischer Bauerntanz", „Komisches Reck", „Boxendes Känguruh", „Jongleur", „Akrobatisches Potpourri", „Ein Boxkampf". Durchschnittslänge: 20m.
[1895]
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Thomas Armat entwickelt das „Vitascop", einen Vorführungsapparat, der unter dem Namen „Edison-Vitascop" gebaut, aber mit der Marke des Konstrukteurs „Armat Design" versehen ist; 85 solcher Apparate werden zunächst gebaut.
[1895]

Die Titel einiger der ersten Lumiere-Filme sind: „Babys Frühstück", „Walfang", „Die Schmiede", „Ankunft eines Zuges", „Niederlegen einer Mauer", „Soldaten im Reitsaal", „Bewegtes Meer", „Kartenspieler". Im letztgenannten spielt einer der Brüder Lumiere persönlich den Kartenspieler.
[1895]
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Ereignisse aus dem Jahr 1896

Der englische Unternehmer William Paul, der von den Edison-Vertretern aus Konkurrenzgründen keine Filme mehr erhält, führt eigene handkolorierte Filme vor.
[II. 1896]

Lumiere-Filme werden in Wien vor etwa 50 geladenen Gästen in einem Hause in der Kärntnerstraße vorgeführt.
[III. 1896]

Die Deutsche Automaten-Gesellschaft Stollwerck & Co. erwirbt die Auswertungsrechte der Lumiere-Apparatur für Deutschland und beginnt in Köln mit der Aufstellung von Groschenautomaten.
[20. IV. 1896]

Im Frühjahr erfolgt die erste öffentliche Projektionsvorführung von Edison-Filmen auf „Edison-Apparatur" in Koster & Bial's Variete in New York. Vorführer: Thomas Armat. In der amerikanischen filmgeschichtlichen Literatur wird dieses Ereignis irrigerweise als die allererste öffentliche Filmprojektion der Welt geschildert.
[23. IV. 1896]

In Berlin werden die ersten Lumiere-Filme (in einer Privatveranstaltung in der Friedrichstraße 65a) vorgeführt. Vorstellungsdauer ca. eine Viertelstunde. Das Programm enthält u. a. Aufnahmen des Kölner Doms, sowie der Ankunft des Kaisers am Frankfurter Hauptbahnhof.
[28. IV. 1896]

Im Edison-Pavillon auf der Berliner Gewerbeausstellung werden laufend neueste Lumiere-Filme vorgeführt.
[V.-X. 1896]

In Kopenhagen führen die Gebrüder Skladanowsky ihr Wintergarten-Programm vor.
[9. VI.-10. VII. 1896]

Bei einer Wohltätigkeitsvorstellung in Madrid besichtigt die spanische Königin einige Lumiere-Filme.
[12. VI. 1896]

Bei einer Wohltätigkeitsvorstellung in St. Petersburg werden der russischen Hofgesellschaft Lumiere-Filme vorgeführt.
[VII. 1896]

In Hannover, Georgenstr. 34, veranstaltet die Automatengesellschaft Stollwerck ihre erste Filmvorführung.
[19. VIII. 1896]

Erstes und zweites Berliner Kino
Das erste, kurz vorher in einem Raum des Restaurants Wilhelmshallen, eröffnete Berliner Kinotheater (Unter den Linden 21) wird von den Eigentümern, Baron v. Prittwitz und Dr. Leo Leipziger, an den Russen Gussem verkauft. Im September wird in der Friedrichstraße unter dem Namen „Edison-Theater" ein zweites Berliner Kino eröffnet.
[IX. 1896]

Auf dem Münchener Oktoberfest werden von Krause und Dienstknecht kinematographische Vorführungen gezeigt, die großen Zulauf finden.
[X. 1896]

Die K.M.CD. Biograph beginnt im New Yorker Olympic-Variete von Hammerstein mit regelmäßigen Vorführungen.
[13. X. 1896]

Auf der Gewerbeausstellung in Berlin brennt der Edison-Pavillon ab. Dieser erste Filmbrand entstand nach amtlichen Mitteilungen durch glühende Kohlenstifte, die aus einer Bogenlampe auf einen Filmstreifen fielen (vermutlich Nitrofilm).
[18. X. 1.896]

Im „Empire", Londons größtem Variete, erscheint im Dezember-Programm eine Vorführung von William Pauls „Theatrograph" (teilweise mit Eriese-Greene-Material). Im selben Theater gab es schon einige Monate vorher eine Lumiere-Vorführung.
[XII. 1896]

Oskar Messter vollendet das „Malteserkreuz", im Ausland bald übernommen "Das Deutsche Getriebe" genannt; erste Auslandsverkäufe Mai, Juni. Jetzt erst ist eine wirklich einwandfreie Projektion ermöglicht.
[1896]

Im Herbst erwirbt Messter den Raum des Restaurants „Wilhelmshallen" in Berlin, Unter den Linden 21, in welchem schon seit April das erste Berliner Kino betrieben wurde.
[1896]

Im Dachgeschoß der Friedrichstr. 94a eröffnet Messter das erste Berliner Filmatelier, das ab November mit Kunstlicht betrieben wird. Die fabrikmäßige Filmproduktion nahm er schon im Sommer auf. Von seinem Vorführungsapparat werden bis zum Jahresende 64 verkauft, 22 davon ins Ausland.
[1896]

Einige Titel des englischen Filmfabrikanten William Paul: "Rough Sea at Dover", "Brigton Beach", "Epsom Derby". Durchschnittslänge: 20m.
[1896]

Einige Titel von Skladanowsky-Filmen (von je ca. 1 Minute Laufdauer): „Die Wachtparade kommt", „Leben und Treiben Unter den Linden", „Einfahrt eines Eisenbahnzuges", „Der Berliner Alexanderplatz".
[1896]
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Ereignisse aus dem Jahr 1897

Messter dreht erstmals Filmaufnahmen vom Berliner Presseball.
[I. 1897]

Der Berliner Ludwig Pahl zeigt im Berliner „Wintergarten" englische und französische Filme. Die Apparatur stammt von der Berliner Firma Philipp Wolf, und zwar in einer von dem deutschen Mechaniker Gliewe von der Firma Gliewe & Kügler nach Messterschen Ideen angegebenen Konstruktion.
[1. II. 1897]

Am 15. März treten Max und Emil Skladanowsky in den Zentralhallen in Stettin auf. Sie verwenden jetzt keinen Doppelprojektor mehr, und auch die Aufnahmeapparatur für ihre neuesten Filme ist vereinfacht. Es ist jedoch das letzte Auftreten der Skladanowskys.
[15. III. 1897]

Im Münchner Neuen Handelspanoptikum laufen täglich acht Kinovorstellungen; besonderen Anklang findet dabei der Lumiere-Film „Endlich allein".
[Ab 4. IV. 1897]

Gründung der Firma Gaumont British, die in mehrfach gewandelter Form Jahrzehnte besteht.
[30. IX. 1897]

Ende Oktober erscheint Messters Film- und Apparatekatalog im Umfang von 115 Seiten.
[X. 1897]

Im Berliner „Wintergarten" werden ab November laufend Aktualitäten-Filme gezeigt; also gewissermaßen Vorläufer der Wochenschau.
[XI. 1897]

Thomas A. Edison beginnt einen langjährigen Patentkrieg gegen einige seiner Konkurrenten.
[7. XII. 1897]

Im Restaurant „Kaisersaal" in München läuft ab Dezember ein regelmäßiges Kinoprogramm. Der Veranstalter C. Hail verwendet eine Lumiere-Apparatur.
[XII. 1897]

Im Messter-Filmkatalog Nr. 1 steht als erste Dokumentaraufnahme „Straßen-Bild am Brandenburger Tor in Berlin" (Aufnahme: 1896).
[1897]

Messter verlegt seine Aufnahmestätte in die Friedrichstr. 16, in der ihm ein Glasatelier die Ausnützung des Sonnenlichtes ermöglicht.
[1897]

Bei dem Brand auf der Pariser Weltausstellung, dem der Filmpavillon zum Opfer fällt, kommen 124 Menschen ums Leben.
[1897]

Die Deutsche Bioskop nimmt die Filmproduktion auf.
[1897]

Die Gebrüder Lumiere verkaufen alle Rechte an ihrer Erfindung an die Firma Pathe Freres, Paris, die in Vincennes das erste französische Filmatelier errichtet.
[1897]
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Ereignisse aus dem Jahr 1898

Einige Titel aus der Messter-Produktion: „Kaffeetafel bei O. Messter in Berlin" (Länge 32m), „Ins Sprungtuch. Eine Feuerwehrübung" (23m), „Fridericus Rex beim Flötenspiel", „Napoleon übergibt Bismarck seinen Degen", „In Friedrichsruh". Die historischen Persönlichkeiten werden erstmalig von Schauspielern in Maske dargestellt.
[1898]

Die Firma William Paul in England bringt die Kurzfilme "Ournewmaid" und "The deserter", während G. A. Smith sich mit einem Film von wenigen Minuten Spieldauer an das „Faust"-Thema wagt.
[1898]

Der Projektionsapparat steht jetzt hinter dem Publikum. In den ersten Jahren wurde fast immer von hinten, also durch die Leinwand projiziert.
[1898]

Das „Goldfischglas" ist der Titel eines Zaubertrickfilms von Georges Melies, der damit bei der Star-Film, Paris, eine lange Serie sehr beachtlicher Filme ähnlichen Genres beginnt.
[1898/99]
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Ereignisse aus dem Jahr 1899

Zusammen mit Stuart Blackton gründet Albert E. Smith in Chicago, USA, die "Vitagraph". Erster Film: „Das verwunschene Haus". Laufdauer 4 Minuten.
[1899]

Hamburg hat in der Kaiser-Wilhelm-Straße sein erstes ortsfestes Filmtheater. Bald darauf wird ein erheblich größeres Kino (650 Plätze) an der Reeperbahn eröffnet.
[1899]

Die Mutoscope & Biograph in USA filmen den Boxkampf Jeffries - Sharkey. - Der erste von vielen später verfilmten Weltmeisterschaftskämpfen. Die Aufnahmen stammen von William A. Brady.
[1899]

George Melies versucht sich an einem aktuellen Thema: dem zu jener Zeit im Mittelpunkt des Weltinteresses stehenden Sensationsprozeß des Majors Dreyfuß. Der Film erscheint bei Pathe Freres.
[1899]
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