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Cinemascope, das ist der Trick mit der optischen Kompression

Beim 35mm Film wurde über lange Jahre einfach der sichbare Teil des Filmfensters 1:1 auf die Bildwand projiziert. Doch das Sichtfeld war dem einer Briefmarke (quer) gleich und konnte irgendwann nicht mehr so recht begeistern. Dann wurde das 1,8:1 Breitbildformat entwickelt und das (sichtbare) Bild wurde breiter, dem menschlichen Blickfeld bereits etwas "ähnlicher".

 

Doch damit war dem Ideenreichtum der Filmemacher immer noch nicht gedient. Die Körnung der modernen Farbfilm-Materialien gab inzwischen deutlich mehr her (Kodak hatte den kornlosen Film entwickelt und Agfa zog nach) und man stauchte das Bild bei der AUfnahme in der waagrechten Achse zusammen. Beim Projizieren im Kino entzerrte man dieses Filmbild (mit Hilfe einer Spezialoptik - siehe Bild) wieder zurück auf seine volle Größe, nämlich im Verhältnis 2,35:1.

 

Das war dann auch für hartgesottene Journalisten einen Aufschrei der Begeisterung wert, es war einfach nur noch "impressive" = beeindruckend und gewaltig. Die Lichtleistung der Projektor- Lampen wurde bis an die Grenze des damals Machbaren hochgezüchtet und so konnte man 20m breite Bildwände "noch" ganz gut ausleuchten.

Und dann noch 4 Tonkanäle auf dem Film

Nicht vergessen dürfen wir dabei, daß die Ingenieure es geschafft hatten, anstelle der (Licht-) Tonspur 4 ganz schlanke Magnetstreifen auf den 35mm Film links und rechts der Perforation aufzubringen und das gewaltige Bild mit einem für damalige Zeiten gewaltigen Sound zu ergänzen.

 

Daß bei der Projektion in den Projektoren aus Stahl hin und wieder ganze Film-Rollen (aus Versehen natürlich) gelöscht wurden, das waren die Kollateralschäden, die dann sehr nervig waren. Es tat aber dem Effekt eines funktionierenden 4 Kanal Magnetton Cinemascope-Films keinen Abbruch.

Und so steht es 1955 im Kinotechnischen Taschenbuch

"Breitbild-Wiedergabe mit Entzerrungsvorsatz"

Sie erlaubt die Vorführung von breiten Bildern mit Seitenverhältnissen über 1 : 1,85 (1 : 2 bis 1 : 2,55), bei Filmaufzeichnungen auf normalem, 35 mm breitem Film.

Bei der Aufnahme wird dem Kamera-Objektiv ein anamorphotischer Vorsatz vorgesetzt. Die aufzunehmenden Szenen und Objekte haben Seitenverhältnisse von 1 : 2 bis 1 : 2,55. Bei normaler Aufnahme würden diese Objekte auf dem Film als schmaler Bildstreifen aufgezeichnet werden. Durch den anamorphotischen Vorsatz wird nun die Abbildung in horizontaler Richtung auf die Hälfte zusammengepreßt. Das Bild ist also verzerrt. Ein Aufnahme-Objekt mit dem Seitenverhältnis Höhe zu Breite wie 1 : 2 wird auf dem Film als Quadrat abgebildet.

Schematische Darstellung der Aufnahme und Wiedergabe mit Anamorphot (in diesem Beispiel Format etwa 1:2). — Linkes Bild zeigt das Objekt im Kamerabildfenster. Mittleres Bild zeigt das verzerrte Filmbild (Seitenverhältnis 1:1). Die rechte Abbildung zeigt das bei der Projektion wieder entzerrte Bild (Seitenverhältnis 1:2).

Die verzerrte Filmaufnahme wird bei der Projektion durch Vorsetzen eines gleichartigen anamorphotischen Vorsatzes vor das Projektions-Objektiv wieder auf natürliche Dimensionen entzerrt.

Der Vorzug der anamorphotischen Aufnahme und Wiedergabe liegt darin, daß die Abmessungen des Filmbildes, also die nutzbare Filmbildfläche, wesentlich größer ist als bei der Breitbild-Wiedergabe ohne Entzerrungsvorsatz. Dadurch erhält man hinsichtlich Feinkörnigkeit und Bildschärfe eine bessere Bildquaiitat. Außerdem haben die mit Anamorphoten aufgezeichneten Filmbilder Bildabmessungen, die entweder quadratisch sind oder von einem Quadrat nicht sehr abweichen.

Anamorphotisch aufgezeichnete Filme nützen deshalb den von der Spiegellampe am Bildfenster erzeugten Lichtkreis sehr gut aus. Bei gleicher Lichtleistung der Projektoren kann man deshalb bei Breitbildverfahren mit Entzerrungsvorsätzen größere Bilder bei gleicher Bildausleuchtung projizieren als bei Breitbildfilmen, die normal aufgenommen sind.

Aufgenommen wurde oft in "Techniscope"

Cinemascope Kameras waren toll und super und vor allem teuer, hatten aber auch ihre Probleme (mit der schwachen Lichtleistung und den kurzen Brennweiten zum Beispiel bei Nahaufnahmen).

Manche Cinemascope Filme wurden deshalb recht einfach in Techniscope- Technik im Format 2,33:1 produziert, zum Beispiel in Italien (Spiel mir das Lied vom Tod). Ein 35mm Film mit einem ganz schmalen Bildfenster von nur 22mm x 9,47mm überstreicht dabei nur 2 Perforationslöcher. Man hat also fast nur die halben (Film-) Materialkosten. Die Bildqualität (Auflösung) ist damit auch leicht geringer, teilweise aber sogar besser (höhere Schärfe bei Nahaufnahmen).

Techniscope ist ebenso wie Super 16, Super 35 oder VistaVision ein reines Produktions- Filmformat, das im Kino so nicht projiziert wird. Nur das Kameranegativ wird im Techniscope-Format aufgenommen; Interpositive, Internegative und Vorführkopien werden durch Umkopierung auf das CinemaScope-Format hergestellt. Mehr über Vor- und Nachteile steht hier : de.wikipedia.org/wiki/Techniscope

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