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Die Zeitschrift "Bild und Ton" aus Berlin (Ost) ab Okt. 1948

In den wenigen Jahren nach 1945 war Berlin zwar eine geteilte Stadt, doch in bestimmten Bereichen klappte es wie zuvor, zum Beispiel mit einer Zeitschrift für die Ost- und West- Kinos und deren Betreiber und deren Filmvorführer.

Etwa 1950 (oder war es doch etwas später) knallte es dann politisch, weil erstens die Währungsreform Mitte 1948 die Russen als Besatzer ziemlich kalt erwischt hatte und weil das Wohlstandgefälle anfing, immer deutlicher (also weithin sichtbar zu deutlich) auseinander zu klaffen.

Ab etwa Ende 1951 gab es fast keine westdeutschen Anzeigen mehr in der "Bild und Ton" aus Ostberlin. Weiterhin wurden von mehreren Westfirmen ganz neue Kinomaschinen angeboten und der beinahe Schmuggel von Erneman 7B Maschinen aus Dresden rüber in den Westen hörte schlagartig auf. Der alte Vorkriegs-Chef Alexander Ernemann hatte jetzt in Kiel die neue Ernemann 10 Supermaschine fertig. Die UFA-Büros in der SBZ bzw. Ostzone wurden verstaatlicht und umbenannt und das Interesse der neuen UFA an den Aktivitäten in dieser russisch verwalteten Zone ließ schlagartig nach.

Dazu gab es ja außer Zeiss/Ikon in Kiel auch noch EUGEN BAUER Stuttgart, Askania, Frieseke und Höpfner und natürlich Philips aus Holland. (Habe ich jemanden vergessen ?)
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Die erste Ausgabe in 1948 von Dr. Albert Wilkening

Im Film-Museum Romboy in Wesseling bei Köln stehen die Bände dieser Zeitschrift als gebundene Bücher und dort darf ich einscannen, was hoffentlich interessant für die Nachkommen und Film- und Kinofreunde ist.
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"Bild und Ton" 1. JAHRGANG - OKTOBER 1948 - HEFT NR.1

FACHZEITSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE GEBIET DER FILMTECHNIK „ MIT BEILAGE »FOTOTECHNIK« - DEUTSCHER FILMVERLAG GMBH., BERLIN W 8 (diese Adresse lag im Ostteil von Berlin)

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ZUM GELEIT

Der Film, vor allen Dingen unser heutiger Tonfilm, ist ein Kind der modernen Technik. Wenn mit ihm auch künstlerische Aufgaben erfüllt werden sollen, so ist doch einzig und allein entscheidend, was im Filmtheater zu hören und zu sehen ist.

Die Aufgabe der Filmtechnik besteht also darin, sich der besten technischen Mittel zu bedienen, um durch sie eine größtmögliche Illusion bei dem Besucher des Filmtheaters hervorzurufen. Aufgabe aller im Film Schaffenden ist es denn auch, die ungeheuerlich vielseitigen Möglichkeiten der modernen Technik so anzuwenden und einzusetzen, daß der Beschauer ganz in den Bann des darzubietenden künstlerischen Geschehens gezogen wird.

Durch die ihm von der technischen Seite gebotenen Möglichkeiten, insbesondere durch die zu großer Vollendung geführte Tonfilmtechnik, ist dem Stummfilm von einst eine hohe Vollkommenheit gegeben worden. Der Film ist aus dem heutigen kulturellen Leben daher nicht mehr wegzudenken, und ich glaube, daß er auch gegenüber dem Fernsehen immer seine Bedeutung behalten wird, genau so, wie das gute Konzert sich gegenüber dem Rundfunk behauptet hat.

Die Perspektive

Mit der fortschreitenden Entwicklung werden allerdings auch die Anforderungen an die Vervollkommnung der heute erreichten Tonfilmtechnik noch immer weiter steigen. Es gehört daher zu den vornehmsten Aufgaben aller am Film Beteiligten, kein technisches Mittel außer acht zu lassen, mit Hilfe dessen die Illusion auf der Leinwand dem Geschehen in der Wirklichkeit nahegebracht werden kann.

Eine Reihe von Problemen sind bereits aufgegriffen worden, wie z.B. die Stereophonie und Stereoskopie. Der Krieg mit seinen Nachwirkungen hat bei uns jedoch die eigentlichen Entwicklungsarbeiten in vieler Hinsicht gehemmt. Wir müssen deshalb vieles nachholen.

Hierbei soll unsere neue Fachzeitschrift »Bild und Ton« mithelfen. Sie soll auf der einen Seite einen Einblick geben in die Möglichkeiten, die wir in Deutschland selbst schaffen und verwirklichen können. Sie soll aber auch zeigen, was außerhalb unserer Grenzen geschieht.

Über unsere Zeitschrift »Bild und Ton«

Die heute noch in vieler Hinsicht bestehenden Schwierigkeiten werden uns nicht gestatten, unser Programm sofort und in jeder Hinsicht in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir rechnen jedoch auf eine aktive Mitwirkung aller in der Filmarbeit stehenden Fachkräfte und werden daher für jede Anregung aus dem Leserkreis sehr dankbar sein. Nur durch eine enge Verbundenheit mit der Praxis wird ein wirklicher Fortschritt zu erzielen sein und diese enge Verbundenheit wollen wir herstellen.

Unsere Zeitschrift »Bild und Ton« wird sich vornehmlich mit technischen Problemen beschäftigen, die das Bild und den Ton im Film betreffen. Daneben soll ein Überblick über die Filmwirtschaft gegeben werden, soweit es sich um die technische Seite handelt. Außerdem haben wir uns vorgenommen, auch dem Nachwuchs einen Einblick in die Vielfalt der beim Film zu bewältigenden Aufgaben zu gehen.

Der Krieg hat ja nicht nur die technische Entwicklung der Filmindustrie gehemmt, sondern sich auch ganz besonders nachteilig auf die Ausbildung und Weiterentwicklung des technischen Nachwuchses ausgewirkt. Es ist daher nicht nur wichtig, jungen Nachwuchs heranzubilden, sondern auch den Älteren einen Überblick und Einblick in die Entwicklung seit Beginn des Krieges zu geben, da diese Entwicklungen meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit erfolgten.

Es ist uns klar, daß hier noch Schwierigkeiten zu überwinden sind, weil durch das Fehlen eines Patentschutzes in Deutschland vieles noch nicht veröffentlicht wird. Da jedoch die Wiedereinführung des Patentschutzes in nicht allzu großer Ferne liegen dürfte, werden sich auch bald größere Möglichkeiten zur Veröffentlichung neuer Ideen ergeben.

Anmerkung : Mehr Informatione über das Problem mit den konfiszierten Patenten und der Situation in Deutschland finden Sie in den Funkschau- Ausgaben dieser Jahre.

Dei Beilage über Fototechnik

Neben der reinen Bild- und Tontechnik wird unsere Zeitschrift eine Beilage über Fototechnik erhalten. Die Fotografie ist ja der Ausgangspunkt der Filmtechnik, und sie findet heute im Film - in der sogenannten Standfotografie - noch sehr entscheidende Anwendung. In jeder Filmproduktion nimmt der Standfotograf eine sehr bedeutende Stellung ein.

An seine Aufnahmen werden höchste Anforderungen gestellt. Das, was für einen Standfotografen gilt, ist gleichzeitig auch für den Berufs- und Amateurfotografen von Interesse. Wir hoffen daher, durch unsere Beilage »Fototechnik« gleichzeitig eine enge Verbindung zwischen dem immerhin beschränkten Kreis der Filmfotografen und Filmkameraleute und der großen Zahl von Berufs- und Amateurfotografen herzustellen.

Wir wollen Ihnen nicht ein großes Programm vorlegen, das wir uns zu erfüllen vorgenommen haben, sondern wir wollen uns bemühen, Ihr Interesse an unserer Zeitschrift in jeder Hinsicht zu wecken; und Sie mögen dann nach einiger Zeit selbst entscheiden, ob uns dieses Ziel gelungen ist. Dabei haben wir - das möchte ich noch einmal betonen - an Sie die große Bitte, uns Ihre Wünsche ebenso wie Ihre Kritik freimütig mitzuteilen.
Dr. Albert Wilkening
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"Bild und Ton" 1.JAHRGANG - NOVEMBER 1948 HEFT - NR.2

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Filme - außen gedreht ...
Erfahrungen eines Produktionsleiters

Filmaufnahmen im Freien erfordern ein immenses Mehr an Konzentration und Energie von allen Beteiligten, soll das Ergebnis der Dreharbeit nicht hinter den künstlerischen Erwartungen zurückbleiben.

Wenn sich die für die neue deutsche Filmproduktion Verantwortlichen immer lebhafter Filmstoffen zuwenden, die sich ganz oder zum größten Teil außen drehen lassen, so sind die Gründe dafür rasch aufgezählt: die Vernichtung des vorerst nicht zu ersetzenden Atelierraumes, der katastrophale Mangel an Material, der besonders empfindlich die Ausstattung der Filme trifft, und nicht zuletzt der sich rasch vollendende Verschleiß der uns noch verbliebenen technischen Ausrüstung, für die Industrie und Handel noch immer keinen Ersatz anbieten können.

Also müssen sich in dem Maße, in dem die neue deutsche Filmindustrie auf Touren kommt, auch die Produktionsleiter mit dem Gedanken vertraut machen, mit ihren Filmen aus den Ateliers nach außen zu gehen. Sie werden dabei eine Reihe neuer und alles andere als angenehmer Erfahrungen machen.

Sie werden sich ungleich größeren Schwierigkeiten gegenübersehen, als sie sie irgendwie vorausgesehen haben. Und sie werden deshalb auch kaum auf die Idee kommen, in außen gedrehten Filmen mehr zu sehen als einen durch die Zeitverhältnisse diktierten Zwang.

Über die Schwierigkeiten draußen

Vielleicht wird nun gefragt werden, worin diese außerordentlichen Schwierigkeiten bei außen gedrehten Filmen eigentlich bestehen?

Denn, so wird leichtfertig argumentiert werden, die Sonne scheint überall, und Motive lassen sich für jeden Film in Hülle und Fülle finden. Aber erstens scheint die Sonne selten, wenn sie wirklich gebraucht wird, und scheint sie schon einmal, dann ist sie als Lichtquelle für ein Motiv auch kaum mehr als 1 bis 2 Stunden am Tag brauchbar. Das bedeutet also, daß ein Motiv oder ein Bild an mehreren Tagen oder auf verschiedenen Schauplätzen gedreht werden muß. Schon deshalb also muß ein außen gedrehter Film sehr viel sorgfältiger geplant werden als ein reiner Atelierfilm.

Wieviel Sonnentage aber gibt es schon, die eine reibungslose Abwicklung des Drehplanes ermöglichen? "Wenn er Pech hat, kann der Produktionsleiter mit einem ganzen Stab wochenlang auf schönes Wetter warten.

Wenn Zeit auf einmal Geld ist

Er muß also auf die Möglichkeit bedacht sein, den anderen Teil seines Films in Originaldekorationen innen oder aber, weil etwa der Regisseur oder Autor meistens allzu berechtigte Bedenken dagegen haben, in Dekorationen, die in Not-Ateliers (etwa in Tanzsälen, Turnhallen oder Fabriken) errichtet werden, abzudrehen, um damit den unvermeidlichen Leerlauf in der Dreharbeit zu überbrücken, denn Zeit kostet im Film mehr noch als anderswo viel Geld.

Ein Fachman wie der Produktionsleiter

Man sieht, dieses Verfahren erfordert die Fähigkeit zum blitzschnellen Umdisponieren, entweder vom Atelier nach außen oder von außen ins Atelier. Der Fachmann weiß, was das bei Außenaufnahmen bedeutet, nämlich den Umtransport von Tausenden von Metern Kabel, schwerer Scheinwerfer, Schienen, Auf- und Abbau von Brücken usw.

Also ist eine ungewöhnliche Begabung des Produktionsleiters notwendig, über seine Produktionslinie hinaus improvisieren zu können, eine rasche Entschlußkraft, die oft mit großer finanzieller Verantwortung verbunden ist und von seinem gesamten Stab ein ungewöhnliches Maß an Arbeitswillen und Arbeitskraft verlangt.

Die verschiedenen Schauplätze

Daß die verschiedenen Schauplätze, an denen gedreht werden muß, oft kilometerweit auseinander liegen, also auch die Transportfrage eine Schwierigkeit mehr bedeutet, liegt auf der Hand. Im Atelier steht dem Produktionsleiter ein eingespielter Apparat zur Verfügung, er hat seine Büros, seine Telefonverbindungen, kurz — die ganze ausgeklügelte Organisation zur Hand. Das alles muß er sich bei Außenaufnahmen selber organisieren.

Was das heute bedeutet, ist gleichfalls klar. Die Unterbringung seines Stabes und der Schauspieler, die oft bis zu 80 Köpfen zählen, deren Verpflegung und nicht zuletzt das Heranschaffen der Schauspieler an den Drehort, zusätzliche Beleuchtungen, Brücken, Möbel, Requisiten usw. erfordern ein Transportvolumen, das heute kaum aufzutreiben ist.

Im Atelier bietet es weiter keine Schwierigkeiten, Schauspieler, die meistens noch Theater spielen oder Proben haben, rechtzeitig vor die Kamera zu bekommen, aber 80 oder 100 Kilometer von Berlin wird die Tatsache, daß ein bestimmter Schauspieler abends Theater spielt, ein Problem, das wieder nur durch die gerissenste Disposition und durch Ausnützen jeder Tag- und Nachtstunde möglich ist. Dazu kommt der Strombedarf, der ....... (Die Seite 2 fehlt noch)

"Bild und Ton" 1. JAHRGANG - DEZEMBER 1948 - HEFT NR.3

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Ziel und Möglichkeiten der Schmalfilmtechnik

Zu keiner Zeit war es beabsichtigt, mit dem Schmalfilm eine Konkurrenz für die Normalfilmtechnik (also 35mm Film) zu schaffen. Es sollten vielmehr neue und andere Aufgabengebiete erschlossen werden, die dem Normalfilm mit seinen Mitteln nicht oder im Hinblick auf iden wirtschaftlichen Aufwand nur schwer zugänglich sind, deren Lösung aber für die Schmalfilmtechnik vernünftig und gerecht erscheint.

Schon kurze Zeit nach der Festsetzung der heute noch gültigen Abmessungen des 35mm-Filmbandes durch Edison wurden im Jahre 1895 in Deutschland Filme geringerer Breiten vorgeführt. Die mannigfachen Versuche zur Verbilligung der Filmkosten erstreckten sich auf eine Verkleinerung oder Längsteilung des Filmbandes.

Weiterhin erstrebte man die Unterbringung einer größeren Anzahl von Phasenbildern mit kleineren Abmessungen auf einem üblichen Filmstreifen. Damit wurden aber komplizierte Schaltmechanismen erforderlich, die das Aufbringen der einzelnen Bilder in einem bestimmten Rhythmus neben- und nacheinander auf ein an sich normales Filmband möglich machten.

Über die verschiedenen Schmalfilmformate

Diese genannten Methoden der räumlichen Zusammendrängung des gleichen Bildinhaltes auf ein schmaleres oder kürzeres Filmband finden sich einzeln und in Kombinationen in den heutigen Schmalfilmformaten wieder.

Die Bedeutung des schmalen Filmbandes ist deshalb so groß, weil sich durch die Verkleinerung des Schaltschrittes damit eine sehr erhebliche Verringerung der Geräteabmessungen, Gewichte und damit auch Preise erreichen läßt, die vom heutigen Standpunkt betrachtet die Schmalfilmtechnik erst sinnvoll erscheinen läßt.

Zunächst aber mußten jahrzehntelange Formatkämpfe durchgestanden werden. Da man hierbei entgegen allen Normalisierungs- und Normungsbestrebungen in starkem Maße auch wirtschaftliche Gedanken durchzuführen trachtete, konnte lange Zeit keine Einigung über ein oder mehrere Schmalfilmformate erzielt werden.

Der wirtschaftliche Kampf der Film- und Gerätehersteller ging teilweise so weit, bewußt Geräte oder Filme verschiedener Abmessungen herzustellen, damit sie nicht in die entsprechenden Apparaturen der Konkurrenzfirmen passen konnten.

Nicht mit dem grobkörnigen Film-Material

Zunächst allerdings schienen alle Versuche der Schmalfilmtechnik nur eine Spielerei zu sein, da die derzeitigen grobkörnigen Film-Emulsionen eine brauchbare Wiedergabe in unserem heutigen Sinne kaum zuließen.

Vom Jahre 1924 an konnte man sich auf den Vorstoß der Kodak-Gesellschaft hin auf die Abmessungen des 16-mm-Filmbandes verlassen. Damit wurde erstmalig eine vernünftige Lösung der Schmalfilmfrage besonders auch in fabrikatorischer Hinsicht vorbereitet. Im Laufe der Zeit wurde dieses 16mm-Filmformat zu dem Standard des Schmalfilms, sofern es sich um die Bewältigung größerer amateurmäßiger und insbesondere beruflicher Aufgaben handelte.

Wie es sich dann zeigte, ließ mit der weiteren Vervollkommnung der Emulsionen auch dieser 16mm-Film noch einmal eine Verkleinerung für entsprechend einfachere Aufgaben zu. Damit war ein ähnlicher Schritt wie vom 35mm- zum 16mm- Format möglich.

Den Filmstreifen nochmals teilen

Das Ergebnis, das auf Grund der vorherigen Versuche zu einem verhältnismäßig einfachen Verfahren führte, ergab die Längsteilung eines 16-mm-Filmstreifens, der dazu allerdings mit der doppelten Anzahl von Schaltlöchern versehen werden muß.

Seit dem Jahre 1932 wurde das genannte geteilte 16mm Filmband und später auch der 8mm breite Filmstreifen selbst für die Aufnahme eingesetzt. Dieser beiden Schmalfilmformate hat sich die Industrie in den meisten Kulturländern in besonderem Maße angenommen und das Filmmaterial sowie die zugehörigen Apparate industriell entwickelt und hergestellt.

Neben diesen beiden Bildbändern führt der an sich ältere 9,5mm-Film ein eigentümliches Zwischendasein. Er hat sich nur in einzelnen Ländern, wie Frankreich, Österreich und Japan, in größerem Maße durchgesetzt, in anderen Ländern verhältnismäßig wenig.

Vorführungen in großen Filmtheatern ausgeschlossen

Bei einer Betrachtung der durch die Schmalfilmbänder gegebenen technischen Möglichkeiten muß von vornherein der Spielbetrieb im großen Filmtheater ausgeschlossen werden, der bei sinnvoller Betrachtung der gegebenen Tatsachen nicht beabsichtigt sein kann.

Die Bildgüte, die mit einzelnen Filmstreifen erzielt werden kann, hängt abgesehen von der Korngröße und Schichtdecke der Emulsionen vorzugsweise von der Fläche ab, die den einzelnen Phasenbildern auf dem Filmstreifen zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Bildfläche und die Korngröße

Diese Fläche ist bei einer bestimmten Anordnung der Schaltlöcher des Filmbandes im wesentlichen durch die Breite des Filmbandes gegeben. Ebenso wie das Normalfilmband haben auch die 16- und 8mm- Streifen seitlich angeordnete einfache oder doppelte Reihen von Schaltlöchern und bestimmen damit eindeutig - durch Normblätter festgelegt - die für das Bild verfügbare Fläche.

Bei einer bestimmten optischen Vergrößerung der einzelnen Filmbilder in der Kinoprojektion ist die Größe der Bildwand gegeben. Dadurch ist auch die Zahl der Zuschauer bestimmt, die man mit Rücksicht auf gute oder ausreichende Sichtverhältnisse vor dieser Bildwand placieren kann.

Die genannte Seitenperforation ist für die einwandfreie Führung und Schaltung des Filmes von großer Bedeutung, da man das Filmband an den Schaltlochrändern gut und sicher . . . .

wo ist die 2.Seite

"Bild und Ton" 2. JAHRGANG - JANUAR 1949 - HEFT NR.1

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20 JAHRE TONFILM IN DEUTSCHLAND
Ein Rückblick und Ausblick

Das vorliegende 1. Heft des Jahrganges 1949 will eine Übersicht über den Entwicklungsgang der Tonfilmtechnik in Deutschland geben. Der Aufsatz van Paul Zschoche bringt zunächst eine Betrachtung über die gesamte technische Entwicklung.

In einem Artikel von Fritz Kleffel wird der Nadeltonfilm behandelt, der zwar inzwischen völlig überholt ist, doch in der Anfangsentwicklung des Tonfilmes ein wesentlicher Faktor war.

In einer weiteren Arbeit betrachtet Dr. Klaus Jungk den Entwicklungsweg, den die Tonaufzeichnungsverfahren im Film gegangen sind.

Werner Löffler gibt anschließend einen Einblick in die Konstruktionsprobleme von Tonwiedergabe-Projektoren, während der dann folgende Artikel einmal den Weg aufzeigt, den die Entwicklung der Tonfilmlautsprecher genommen hat.

In der Beilage »Fototechnik« berichtet W. Krauspe über Einrichtung und Arbeitsmethoden in einem neuzeitlichen Filmkopierbetrieb.

Endlich schildert Dr. Werner Gabler den Einfluß, den die Kinematografie und Tonfilmtechnik auf die Bauformen des Lichtspielhauses ausübt und dabei im Vergleich zum Bühnentheater ganz selbständige Richtungen und Ergebnisse gezeitigt hat.

Die Artikelreihe klingt aus mit einer Betrachtung der Möglichkeiten für die Anwendung des Schmaltonfilms im Theater, da ja auch der Schmaltonfilm in den vergangenen Jahren eine aufwärtsstrebende und vom Normalfilm stark befruchtete Entwicklung genommen hat.

Mit diesen Veröffentlichungen wollen wir nicht nur die Arbeit der Vergangenheit würdigen, sondern gleichzeitig zu neuer Arbeit anregen. Technische Weiterentwicklung ist nur möglich, wenn man den jeweiligen Stand der Technik genau beherrscht und Forderungen und zukünftige Ziele klar erkennt.

Zur Zeit bescheidener Fortschritt

Wir sind in Deutschland durch den Krieg und seine Nachwirkungen in vieler Hinsicht gegenüber dem Ausland zurück. Trotzdem kann man feststellen, daß auch in Deutschland an einer Weiterentwicklung der Tonfilmtechnik gearbeitet wird.

Diese Arbeiten haben bislang jedoch nur einen sehr bescheidenen Rahmen. Die Filmproduzenten schenken ihre volle Aufmerksamkeit im wesentlichen nur der künstlerischen Seite, während sie in technischer Hinsicht sich mehr oder weniger mit den vorhandenen Möglichkeiten zufrieden geben, zum Teil sogar die technischen Schwierigkeiten unterschätzen. Hierin liegt für die Zukunft des deutschen Filmes eine sehr große Gefahr.

Eine volle künstlerische Leistung kann im Film auf die Dauer nur verwirklicht werden, wenn die technischen Voraussetzungen vollkommen sind. Für das Tonfilmatelier wie auch für das Filmtheater ist bereits wieder eine ganze Reihe neuzeitlicher Einrichtungen, Geräte und Apparaturen im Werden; eingehendere Veröffentlichungen hierüber mußten aus Raumgründen einem der folgenden Hefte unserer Fachzeitschrift vorbehalten werden.

Wir verbinden aber mit dem im vorliegenden Hefte gebrachten Rückblick über die ersten 20 Jahre praktischer Tonfilmtechnik den Wunsch, daß alle in der deutschen Filmtechnik tätigen Fachkräfte dazu beitragen mögen, die Entwicklung der Tonfilmtechnik im Deutschland auch in Zukunft voranzutreiben.

"Bild und Ton" 2. JAHRGANG - FEBRUAR 1949 - HEFT NR.2

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POLITIK UND TECHNIK
Ein Mahnwort an die »Unpolitischen«

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  • Anmerkung : Dieses Editorial war bemerkenswert mutig, denn die Zeitschrift wurde in Ostberlin herausgegeben und dort war solche Meinungsfreiheit überhaupt nicht akzeptabel.

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Was hat Technik und Wissenschaft mit Politik zu tun?

Ingenieure und Wissenschaftler dienen der Technik oder der Wissenschaft und sahen bisher oft lediglich darin ihre einzige Aufgabe. Sie erfanden und konstruierten Flugzeuge, ohne sich dafür zu interessieren, ob sie für den zivilen Verkehr oder für die Bombardierung der Zivilbevölkerung bestimmt waren. Sie entwickelten Vorrichtungen zur Zertrümmerung von Atomen; was damit geschah, interessierte sie jedoch nicht.

Zahllose andere Beispiele könnte man anführen, um zu zeigen, was der unpolitische Ingenieur und Physiker an Unheil für die ganze Menschheit anrichten kann. Er kann dabei keineswegs die Schuld auf die Politiker schieben, daß sie sein Flugzeug oder seine Atomzertrümmerung für unfriedliche Zwecke verwenden. Er kann das ebensowenig wie der Vater, der seinem Kind Streichhölzer gibt und die Verantwortung für die Brandstiftung seines Kindes ablehnen möchte.

Über die Verantwortung beider Beteiligter

Das ist die eine Seite der politischen Verantwortung des Ingenieurs, Physikers und Chemikers. Die andere aber ist die, daß die Politiker aus seiner Arbeit nicht ein völkertrennendes, sondern ein völkerverbindendes Instrument machen.

Wie war es möglich, daß man von deutscher oder arischer Physik im Gegensatz zu jüdischer Physik sprechen konnte? Das Weltall ist nach ganz bestimmten Gesetzen aufgebaut. Diese Gesetze sind unabhängig davon, ob sie ein Deutscher oder ein Chinese betrachtet. Hierin liegt ja gerade die große Chance der Naturwissenschaft, Trennendes durch Verbindendes zu ersetzen.

Die Technik hat es ermöglicht, große Wegstrecken in kürzester Zeit zu überbrücken; die Völker sind damit näher aneinandergerückt. Was man früher nur vom Hörensagen kannte, kann man heute selbst in Augenschein nehmen. Damit hat die Technik eine wesentliche Grundlage für die Völkerverständigung geschaffen.

Aber all die Wissenschaftler und Ingenieure haben eine große Schuld auf sich geladen, als sie zuließen, daß ihre Entwicklungen und Erfindungen nicht zu friedlichen Zwecken angewandt, sondern zur kriegerischen Zerstörung mißbraucht wurden.

Die grundlegende Erkenntnis

Das zu erkennen und zu begreifen ist für jeden Wissenschaftler und Ingenieur von grundlegender Bedeutung. Doch die Erkenntnis allein genügt nicht, wenn ihr nicht auch die Tat folgt. Der »unpolitische« Wissenschaftler und Ingenieur ist für die Menschheit eine größere Gefahr als jeder andere.

Nur der Entdecker und Erfinder, der sich seiner politischen Verantwortung bewußt ist, ist in Wirklichkeit fortschrittlich.

Man mag nun einwenden, daß sich unsere Zeitschrift nur mit Kinotechnik und Fotografie beschäftigt, also einem Gebiet, das keineswegs »kriegerischen« Zwecken dient. Das befreit aber uns, die wir auf diesem Gebiet arbeiten, keineswegs von der politischen Verantwortung, denn wohl fast jede Erfindung war keineswegs von vornherein aus Zerstörungs- und Vernichtungsabsichten entstanden. So wollte Nobel einen Sprengstoff für den Abbau von Steinbrüchen und Bergwerken schaffen, und was daraus wurde, kennt jeder von uns! Möge jeder aber auch dementsprechend handeln, nur als Förderer des Fortschrittes zu gelten!
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"Bild und Ton" 2. JAHRGANG - MÄRZ 1949 - HEFT NR.3

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Elektronen gegen Zelluloid
Ein Zukunftsblick auf Fernsehfunk und Tonfilm

Als wir dereinst in Deutschland vom Tonfilm zu sprechen begannen und in der deutschen Filmindustrie niemand den Tonfilm besonders ernst nahm, entstand eine ähnliche qualvolle Periode des Unglaubens, des Zweifels und der unübersehbaren Geschäftsdispositionen, wie dies jetzt bei Einführung des Fernsehfunks in einigen Ländern der Fall ist.

Über Nacht ist das Fernsehen sozusagen eingeführt und zur Tatsache geworden. Da es in einigen Ländern, besonders in Amerika, auf der Basis des freien Wettbewerbs und des privaten Geschäftsprinzips aufgebaut ist, wird man sich vorstellen können, welche gigantischen Formen der Kampf zwischen dem Elektronenbild des Fernsehfunks und dem Zelluloidband des Tonfilms annehmen wird.

Schon heute berichten die amerikanischen und englischen Tageszeitungen in ihren Spalten, daß der Fernsehfunk sich für die kommende Schlacht um den Teilnehmer rüstet und verkünden in langen Spalten täglich steigende Teilnehmerzahlen, Einrichtung neuer Sendestationen, Umsatzsteigerung in der Apparatefabrikation usw.

Die Filmtheater als solche sind dabei mehr oder weniger wehrlos, ganz ähnlich, wie dies bei Einführung des Tonfilms gewesen ist. Sie müssen mit der Mode mitmachen, wenn sie sich den Zustrom des Publikums auch weiter erhalten wollen.

Die Folgen für die Filmtheater - Gedanken von 1949 !!

Welche Folgen werden, soweit überhaupt voraussehbar, aus der Einführung dieser neuen Technik für das Filmtheater entstehen?

Die große Mode des neuen Fernsehfunkes wird bestimmt ein paar Jahre anhalten. In dieser Zeit wird das Filmtheater eine erhebliche Einbuße an Besuchern erleiden.

Andere Theater werden mehr oder weniger unrentable Fernsehtheater werden, d. h., sie werden Programme spielen, die von den Sendestellen ausgestrahlt werden. Infolge der Entbehrlichkeit des Zelluloidfilmes als Zwischenträger für Bild und Ton werden einige sogar dann unter erheblichem Filmmangel leiden, weil die Filmherstellung sich durch die neue Technik der Bildübertragung über den Äther stark einschränken wird.

Große Spielfilme hauptsächlich auf Kopien .... !

Die großen Spielfilme werden hauptsächlich auf Kopien für den Fernsehfunk hergestellt werden und damit dem Filmtheater erst viel später zugänglich sein. Damit wird eine ähnliche bedrohliche Zeit nicht nur für das Filmtheater, sondern auch für die Sprechbühne eintreten, die jener Zeit zu vergleichen sein wird, in der der Tonfilm aufkam und die Filmtheater von heute auf morgen vom Stummfilm auf den Tonfilm umstellen mußten, und in der man sogar die Sprechbühne als bankrott und als für die Zukunft, ausgeschaltet bezeichnete.

Wir haben erlebt, daß diese Prophezeiungen nur zum ganz geringen Teil eingetreten sind. Der Tonfilm hat heilsame Einflüsse auf die Führung und Programmgestaltung der Sprechbühne gehabt.

Die Sprechbühne hat den Tonfilm bereichern können, und der Tonfilm selbst hat die Stummfilmtechnik um ein gutes Stück der immer noch fehlenden Möglichkeiten weitergebracht.

Die Revolution - ausgehend von der Technik . . .

Auch hier ist es wie überall - eine revolutionäre Technik hat eine Umwälzung und Erneuerung der Substanz zur Folge, der sie dient. Das in seinen Möglichkeiten bedrohte Filmtheater wird eine neue Chance auf Auferstehung erhalten.

Neuer Geist, neue filmische Intelligenz muß den Tonfilm befruchten, damit er sich als Konkurrent neben dem Fernsehfunk sein Gebiet nach wie vor immer wieder erobern kann. Die Tonfilmkamera wird zu einem neuen Entdecker filmischer Möglichkeiten werden, während die Fernsehkamera aus technischen Gründen ihr gegenüber noch stärkeren Begrenzungen unterliegt.

Das den Massen im Filmtheater dargebotene neue filmische Schauen wird ihnen bald zeigen, daß das Heimkino des Fernsehfunks das Filmtheater keinesfalls ersetzen kann, ebensowenig, wie der Rundfunk die Sprechbühne töten konnte.

Aus einem anfänglich bedrohlich aussehenden technischen Fortschritt kann für alle ein neuer, freudiger Anfang zu beiderseitigem Aufstieg werden. Voraussetzung dazu ist aber ein schöpferisches Filmschaffen, das sich aller ihm aus seiner Technik und Kunstform gebotenen Mittel und Möglichkeiten bewußt ist und sie sinnvoll anwendet. Wae

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